Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher unserer Internetseite,
die Würfel sind gefallen: Ab Mai stationieren wir vier unserer Busse für den Alltagsbetrieb direkt auf dem Zentralen Omnibusbahnhof am Messedamm. Auch ein Büro können wir dort nutzen. Das Angebot hierzu hatten wir seit einiger Zeit. Dennoch haben wir weiter gesucht, aber keine passende Unterkunft für uns finden können. Denn auch wenn es zunächst großartig scheint, von dort aus den Betrieb zu fahren, so hat dies natürlich auch Haken. Zum Beispiel scheint es uns problematisch, notwendige Kleinreparaturen unter den Augen der Reisenden durchzuführen. Auch der Preis ist zwar für ZOB-Verhältnisse günstig, aber doppelt so hoch wie der, den wir bislang für die Abstellung der Busse zahlen. Ferner stehen unsere Busse weiterhin im Regen, denn beim Neubau des ZOB wurden die Überdachungen deutlich verkleinert.
Nun sollte ich aber nicht zu skeptisch in die Zukunft blicken und mich vielleicht darauf freuen, dass die Ein- und Aussetzwege für den 218er deutlich kürzer werden und ich vom Büro aus nur einen kurzen Fußweg habe, um den Fahrer des Frühdienstes abzulösen. Das bedeutet, ich kann in der mir zur Verfügung stehenden Zeit mehr arbeiten. Das ist doch was! Ferner bin ich gespannt, welche Beachtung unsere historischen BVG-Busse durch die Reisenden finden werden. Ob sich ständig eine Gruppe von Menschen unsere Wagen anschauen wird? Sollten wir vielleicht ein Eintrittsgeld für eine Innenbesichtigung verlangen? Wäre es eine gute Geschäftsidee, den Menschen, die ungeplant längere Wartezeit auf dem ZOB haben, zum Zeitvertreib Rundfahrten durch Berlin anzubieten? Werden Reisegäste sich unbemerkt Zutritt in die Busse verschaffen, um dort die Nacht zu verbringen, weil ihr Fernreisebus ausgefallen ist? Sie sehen also, worum unsere Gedanken kreisen. Eines dürfte sicher sein: Ein Bild aus dem Jahr 1975, wie Sie es auf einem der Fotos sehen, wird es in dieser Form auf dem ZOB mit uns nicht geben.
Generell zeigt sich uns folgende Situation: Viele finden uns toll und sind begeistert. Das merke ich oft bei meinen 218-Diensten und auf Sonderfahrten. In jüngster Zeit erschienen in dichter Folge umfangreiche Presseartikel über uns. Bis auf die Titelseite haben wir es bei der Berliner Zeitung geschafft! Aber nützen tut uns das alles recht wenig. Denn eine Halle zum sicheren Abstellen von Bussen, in der wir auch reparieren können und die für uns bezahlbar ist, kommt dadurch nicht. Obwohl ich inzwischen hörte, ca. 20 % der Gewerbeimmobilien in Berlin stehen leer. Den Weg zu gehen, mit mehr Fahrten mehr Erträge zu erwirtschaften, um höhere Mieten bezahlen zu können, ist nicht der richtige. Denn unsere Wagen bleiben was sie sind – historische BVG-Busse, die teils einen starken Anstieg an Reparaturaufwand zeigen, je mehr wir damit fahren. Ersatzteile sind oft Mangelware oder nicht mehr verfügbar, so wie die Menschen, die bei uns fachkundig reparieren. Der Knoten, den Sie als Kunstwerk auf einem der Fotos sehen, ist Symbol für unseren Status zu uns. Es scheint sich um den gordischen Knoten zu handeln, den es zu lösen gilt. Nun stehen wir direkt neben ihm...
Also drücken Sie uns die Daumen, dass doch noch die kleine Immobilie in Berlin kommt, die zu unseren Bedürfnissen passt. Oder besser: Drücken Sie uns die Schlüssel hierfür in die Hand!
Stefan Freytag