Der Sprung in die Gegenwart – 3099 ist Traditionsbus

Liebe Leserinnen und Leser,

war in unserem vorletzten Text zu 1666 mit früherem Methanol-Motor an dieser Stelle von Antriebstechnologien der Zukunft - allerdings mit Stand vor 30 Jahren - die Rede, so berichten wir heute über unseren neuesten Zugang: Wagen 3099 – DL 04 und erster betriebsfähiger Prototyp dieser neuen Doppeldeckbusgeneration mit der Herstellerkennung MAN A39.

Kein Außenstehender wird sagen, das ist ein „Museumsbus“, denn diese Wagen gehören (noch) zum alltäglichen Stadtbild in Berlin. Aber etliche Fahrzeuge sind bereits ausgemustert und einige auch schon verschrottet. Als bekannt wurde, dass 3099 im Dezember ausgemustert wurde, um anschließend auf der Abstellfläche am Weißenseer Weg sein Dasein zu fristen und auf seine Verschrottung zu warten, kam bei einigen von uns der DL-Bus-Virus zum Ausbruch. Ob diese Krankheit nun gut- oder bösartig ist, wird die Zukunft zeigen. Denn viele sagen: Die Elektronik, speziell beim Prototyp, wird Euch überfordern. Andererseits heißt es, die Serienwagen sind auch nicht „ohne“ (Probleme). Eine Mischung verschiedenster Argumente führte dann zur Kaufentscheidung:

  • relativ neuer Motor
  • mit 564.860 Kilometern für DL-Verhältnisse geringe Laufleistung
  • Anzeichen für nur geringen Korrosionsbefall
  • behaftet mit hoher Symbolkraft

Aber so einfach war das dann gar nicht mit dem Kauf des Busses. Der BVG-Vorstand hat beschlossen, diese Wagen nicht in den Verkauf zu bringen. Bei uns machte man dann aber eine große Ausnahme, denn wir leisten einen klaren Beitrag zum Erhalt der BVG-Bus-Geschichte. Nach einer nur äußerlichen Besichtigung des komplett abgerüsteten 3099 (kein Bordrechner, keine Videoüberwachung, keine Wagennummer, kein „be Berlin“) kamen Vandalen auf die Idee, Scheiben zu zerstören. Dem bei der BVG zuständigen Mitarbeiter und uns wurde klar, dass schnelles Handeln von Nöten ist. Denn wo Vandalismus erst einmal begonnen hat, wird er sicher fortgesetzt. Und so ging es dann ganz schnell mit der Einigung zum Verkauf und der Abholung. Am Freitag, dem 15. März 2019 verließ 3099 in einer extrem spontanen Aktion die Abstellfläche Weißenseer Weg.

Spannend sind Positionen der einzelnen Traditionsbusser zu 3099. Menschen wie ich, Stefan Freytag, Verfasser dieser Zeilen und Mitte fünfzig, sind für die Aufnahme dieses Ungetüms in unsere Sammlung. Dagegen sprechen sich junge Leute teils dagegen aus – verkehrte Welt. Schön ist, wieder das Gefühl zu spüren: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.  Und ganz so neu ist die Beschäftigung mit den DLs bei uns nicht, denn auf unserer Internetseite sind sie seit etlichen Jahren bereits präsent.

Aktuelle BVG-Busse in den Traditionsbus-Fuhrpark aufzunehmen, ist bei uns nicht ungewöhnlich. Denn als die SDs 2626 und 1749 erworben wurden, war dieser Bustyp noch immer mit hohen Stückzahlen im täglichen Linienbetrieb. Würden wir uns ins Jahr 1985/86 zurückbeamen, wer weiß, vielleicht würden wir einen der beiden SD-Prototypen kaufen, 2514 oder 2515. Und welcher D2U steht in der Monumentenhalle – Wagen 700.

Nehmen wir den Erwerb von 3099 als Sinnbild für den Einsatz von Doppeldeckern in Berlin. Denn mit der Vorstellung dieser neuen Generation am 29.07.2004 wurde die Zukunft dieses Berliner Wahrzeichens für die nächsten 20 Jahre gesichert. Hoffen wir, dass die ADL-Prototypen überzeugen und in nennenswerten Stückzahlen zu uns kommen. Wir haben aber (noch) keinen bestellt...

Text: Stefan Freytag

zuletzt aktualisiert 24.7.19