MAN SD 85 bei der BVG
(MAN SD 200)

Es liegen weitere Beschreibungen vor zum SD 200:
SD 73    SD 74    SD 75    SD 76    SD 77    SD 78    
SD 79    SD 80    SD 81    SD 82    SD 83    SD 84
   weitere SD 200

Technische Daten SD 200

Mit den beim Berliner Fahrzeughersteller Waggon Union karossierten Wagen 3407 - 3466 stellte die BVG im Jahr 1985 letztmalig Fahrzeuge der seit Anfang der Siebzigerjahre das Stadtbild Berlins prägenden Bauart SD 200 in Dienst. Angefangen mit den 1973 vorgestellten Prototypen der Bauart SD 200 - Wagen 2514 und 2515 - wurden bis zum letzten Wagen 3466 insgesamt 956 Exemplare dieses Fahrzeugtyps von der BVG angeschafft, womit kein anderer Doppeldeckertyp in Berlin häufiger vertreten war als der SD 200. Weitere elf SD 200 gelangten bei Lieferung nicht nach Berlin, von denen allein acht Fahrzeuge für die LVG gefertigt wurden und drei weitere als Vorführwagen dienten. Ein zwölftes Fahrzeug wurde quasi niemals fertiggestellt, handelte es sich doch bei dem in den Räumen der BVG-Fahrschule zu Demonstrationszwecken aufgestellten Übungsmodell um ein komplettes SD 200-Fahrgestell mit eigener Fahrgestellnummer und funktionierender Luftanlage, aber ohne weiteren Aufbau.

Bei Indienststellung wurden die bei der BVG unter der Bezeichnung SD 85 geführten Fahrzeuge anfangs den Betriebshöfen Usedomer Straße (3407 - 3411), Spandau (3412 - 3421 und 3457 - 3461), Britz (3422 - 3431), Cicerostraße (3432 - 3441 und 3462 - 3466) und Müllerstraße (3442 - 3456) zugewiesen. Gegenüber der Vorserie SD 84 unterschieden sich diese Fahrzeuge allerdings nur geringfügig, standen doch mit den Wagen 3500 (Prototyp des SD 202), 3501 und 3502 (D 83) schon die Vorserienfahrzeuge der Nachfolgebauart zum SD 200 im Linieneinsatz.

Die wohl wesentlichste Änderung der SD 85 gegenüber älteren Fahrzeugen dieser Bauart lag in der Ausstattung mit einem Voith-851.2-Getriebe, der Weiterentwicklung des bewährten Voith-Getriebes vom Typ 851. Weitere technische Änderungen lagen in der werkseitigen Ausstattung aller Neufahrzeuge mit einem mittlerweile für den Schulbusverkehr vorgeschriebenen weiteren Blinkerpaar oberhalb der Unterdeckheckscheibe, modifizierten Spiegelarmen, einer Art Regenrinne außen über dem Fahrerfenster sowie Schmutzfängern an der Hinterachse. Dem Fahrgast fielen im Innenraum lediglich weitere Haltewunschknöpfe an einer Haltestange an der vorderen Treppe und in einer Unterdeck-Deckenplatte im hinteren Fahrzeugteil auf. Daneben waren diese Busse nun mit einem Haltebügel oberhalb des Klimaschranks (auf dem Sims hinter Fahrerfrontscheibe) versehen.

Während der Einsatzzeit bei der BVG wurde unter anderem der Wagen 3439 Ende der Achtzigerjahre mit einer modifizierten Ansteuerung der ANNAX-Fahrzielanzeige und des Entwerters ausgestattet. Waren vorher sowohl Entwerter als auch Fahrzielanzeige an jeder Endstelle erneut zu programmieren, erfolgte dies bei dem damals als »ANNAX durch IBIS« bezeichneten Versuchsbetrieb erstmals zentral durch ein am Fahrerplatz angebrachtes Eingabegerät. Mit dieser heutzutage auch schon wieder veralteten Technik wurden damals sämtliche mit einer ANNAX-Anzeige ausgelieferten BVG-Busse nachgerüstet.

Als erster SD 85 gelangte der Wagen 3418 in die Großreparatur, die an diesem Bus im März 1991 abgeschlossen wurde. Als letzter SD 85 wurde der Wagen 3463 der fälligen Aufarbeitung unterzogen, die im November 1993 beendet wurde. Dies war zugleich der letzte SD 200, der eine derartige Aufarbeitung erhielt. Abgesehen von der ab 1999 wieder aufgenommenen zustandsbedingten Aufarbeitung von SD 202 endete somit die Tradition der in Eigenregie ausgeführten Doppeldeckeraufarbeitung, der schon die ersten Nachkriegsdoppeldecker der Bauart D2U - teilweise sogar zweimal während der Einsatzzeit - unterzogen worden waren.

Durch den im Frühjahr 1995 erfolgten Umbau zu Cabriolet-Bussen schieden als erste Busse der Bauart SD 85 zuerst der Wagen 3440 und kurz darauf Wagen 3446 aus dem Liniendienst der BVG aus. Zwei Jahre später wurde der Wagen 3422 dafür ausgewählt, die Nachfolge des bisher für die Verkehrserziehung von Grundschülern genutzten, aber überalterten Doppeldeckers (Wagen 2089, vormals 2719, SD 75) zu übernehmen.

Der auf der Linie 125 eingesetzte Wagen 3420 wurde bei einem Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden PKW derart stark beschädigt, dass dieser Bus als erster SD 85 im Juli 1997 gänzlich aus dem BVG-Fuhrpark ausschied.

Bereits ein Jahr später begann mit dem Wagen 3407 die zustandsbedingte Abstellung von Fahrzeugen dieser Bauart, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1999 und 2000 erreichte. Zum Jahreswechsel 2002 / 2003 waren bis auf die Wagen 3425 und 3427 sämtliche SD 85 (und gleichzeitig auch alle anderen SD-Baureihen) aus dem Liniendienst ausgeschieden. Und als wollte man mit den beiden verbliebenen SD 200 den Berlinern und ihren auswärtigen Gästen noch einmal das einstige Rückgrat des BVG-Fuhrparks vor Augen führen und dieser Fahrzeugbauart eine entsprechende Würdigung zuteil werden lassen, wurden beide Busse wenige Wochen vor ihrer Ausmusterung noch zum Betriebshof Indira-Gandhi-Straße versetzt, um von diesem Betriebshof aus auch regelmäßig auf den prestigeträchtigen Linien 100 und 200 zu verkehren.

Leider währten diese Einsätze nicht besonders lange. Schon ab dem 21. Januar 2003 gelangte der Wagen 3425 zustandbedingt nicht mehr in den Linieneinsatz und wurde bereits am Folgetag amtlich abgemeldet.

Die Ära der SD 200 im BVG-Linieneinsatz endete wenige Tage später: Als 22. Umlauf der Linie 122 ging mit dem Wagen 3427 letztmalig am 31. Januar 2003 ein SD 200 "auf Strecke". Mit der amtlichen Abmeldung dieses Busses am 5. Februar 2003 schied dann auch der letzte SD 200 aus dem Linienbusbestand der BVG aus.

Aber auch die Traditionsbus-Berlin kann sich rühmen, zum Thema »SD 200« ein kleines Stück Busgeschichte mitgeschrieben zu haben: als für einen von uns im Auftrag der Firma Schering eingerichteten Zubringerverkehr die Anzahl der einsatzfähigen Museumsbusse nicht ausreichte, wurde für die morgendlichen Verkehrsspitzen der Wagen 3425 als Verstärkerfahrzeug von der BVG angemietet. Da auf Wunsch des Veranstalters alle Zubringerbusse - und somit auch 3425 - mit einer entsprechenden Fahrzeugwerbung versehen sein mussten, war es somit eine Veranstaltung der Traditionsbus-Berlin, die die Anbringung der letzten Fahrzeugwerbung an einem SD 200 im BVG-Linieneinsatz zur Folge hatte.

Als sich im Herbst 2002 ein baldiges Ende des Linieneinsatzes der Fahrzeugtypen E2H und SD 200 immer stärker abzeichnete, würdigten wir beide Fahrzeugtypen mit einer Abschiedsfahrt, zu der auf Einladung des FATB Busfans aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten.

Text: Christian Neuhaus
Stand: 16.04.2009


SD85

Ein Berliner Klassiker wirbt für einen Berliner Klassiker: 3427 mit Pop-Werbung für Pfennigs Salate. Der Bus zählte später zu den allerletzten SD 200, die bei der BVG im Einsatz standen.

Foto: P. Kutschkau

SD85

Das undatierte Foto zeigt 3428 als spätgebauten SD in puristischer sandgelber Lackierung.

Foto: P. Kutschkau

SD85

Der (nach subjektiver Einschätzung des Autors) schönsten Doppeldeckerserie gebühren natürlich auch relativ repräsentative Einsatzorte: Der Wagen 3408 nimmt am 2. Mai 1997 an der Haltestelle "Europa-Center" seine Fahrgäste in Richtung Grunewald auf.

Foto C. Neuhaus

SD85

Am April 2001 war der Wagen 3457 als einer der letzten Vertreter der Bauart SD 200 im BVG-Bestand auf der repräsentativen Linie 119 im Einsatz. Vor der Kulisse des mittlerweile entwidmeten Flughafens Tempelhof lädt der Wagen zur Mitfahrt entlang des Kurfürstendamms nach Grunewald ein.

Foto C. Neuhaus

SD85

Neben den Wagen 3438, 3444, 3448 und 3466 war auch 3465 im Jahr 1997 zum so genannten Kulturbus umgestaltet worden. Auf außen am Fahrzeug angebrachten Wechselrahmen konnten so aktuelle Veranstaltungen beworben werden. Während die Wagen 3448 und 3466 später dahingehend verunstaltet worden sind, dass bei diesen "zur Steigerung des Wiedererkennungswertes" die Frontpartie wieder sandgelb überlackiert worden ist, ging dieser Kelch an 3438, 3444 und 3465 vorüber, weshalb letzterer am 26. August 2000 - und somit fünf Tage vor seiner Ausmusterung - nochmals in ganzer Schönheit an der Ankunftshaltestelle der Endstelle Waldsassener Straße geknipst werden konnte.

Foto: C. Neuhaus