MAN SD 81 bei der BVG
(MAN SD 200)

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Technische Daten SD 200

War es seit der Nachkriegszeit bei der BVG üblich, den Auftrag zur Karossierung von Doppeldeckerbussen eines Lieferjahres zur Stärkung der hiesigen Betriebe stets an mehrere Aufbauhersteller zu vergeben, wurden erstmals die 70 im Jahr 1981 georderten Doppeldecker vom Typ SD 200 von nur einem Unternehmen gefertigt. Da sich die Firma Orenstein & Koppel seit dem Jahr 1980 ganz auf die Fertigung von Baumaschinen und Rolltreppen konzentrierte, oblag es somit der Firma Waggon Union als einzig verbliebenem Aufbauhersteller, die später mit den Wagennummern 1771 - 1840 in Dienst gestellten Fahrzeuge zu komplettieren.

Äußerlich entsprachen die Fahrzeuge zwar weitestgehend den Vorgängerserien, unterschieden sich jedoch von diesen durch die Umgestaltung der Rückleuchten, da diese nun nicht mehr rund, sondern eckig ausgeführt waren. Gleichzeitig wurden nun die Heckleuchten um Rückwärtsfahrleuchten ergänzt. Ab dem Jahr 1984 wurden alle ab 1981 in Dienst gestellten - und somit mit eckigen Rückleuchten versehenen - SD 200 aufgrund geänderter gesetzlicher Anforderungen für den Schulbuseinsatz mit einem zweitem Blinkerpaar oberhalb der Unterdeckheckscheibe versehen.

Wohl sehr viel umfangreichere Änderungen wurden hingegen im Innenraum der Fahrzeuge umgesetzt. So wurde der bisher rechts aus dem Armaturenbrett ragende Hebel zur Betätigung der Feststellbremse nun links neben das Armaturenbrett verlegt. Ebenfalls neu war die jetzt bei allen Bussen in Winkel und Höhe verstellbare Lenksäule, die mit der Modifizierung des Lenkrades in Form und Größe und dem nun verwendeten Material Hartgummi einherging.

Aber auch Fahrgästen kam die optisch etwas modernere Innenraumgestaltung zu Gute: Neben der Ausstattung aller 70 Busse mit dem komfortableren Wollplüschpolster-Sitzbezug - lediglich die Wagen 3131 - 3134 des Baujahres 1978 und die Wagen 1721 - 1745 des Baujahres 1980 verfügten bisher über eine derartige Bestuhlung - wurden die Seitenverkleidungen mit braunem und die Deckenplatten mit weißem Kunstleder überzogen. Zwar wirkte diese Innenraumverkleidung nun gegenüber den bisher verwendeten HORNITEX-Pressholzplatten (in weiß für die Decken und mit Kirschbaum-Imitat für die Seiten) wesentlich »edler«, hatte jedoch den großen Nachteil, gegenüber Sachbeschädigungen empfindlicher zu sein. Im Zuge der für Doppeldecker anstehenden Großreparatur zur Hälfte der Einsatzjahre mussten daher beschädigte Verkleidungen oftmals gegen entsprechende HORNITEX-Platten getauscht werden.

Die Modernisierung der Innenraumgestaltung umfasste daneben aber auch die Farbgebung der Haltestangen (die nun grau statt silberfarben waren), der Sitzgestelle (die nun braun statt grau waren) und der daran befestigten Haltegriffe (nun in sehr hellem Grau statt in Dunkelgrau).

Die Verteilung der Wagen auf die Betriebshöfe erfolgte wie in nachstehender Tabelle zusammengefasst:

Betriebshof Wagennummern Anzahl
Zehlendorf 1771 - 1775, 1836 - 1840
10
Spandau 1776 - 1785
10
Helmholtzstraße 1786 - 1790
5
Britz 1791 - 1800
10
Lichterfelde 1801 - 1805
5
Usedomer Straße 1806 - 1815
10
Müllerstraße 1816 - 1825
10
Cicerostraße 1826 - 1835
10

 

Die Indienststellung der Fahrzeuge begann im November 1981 mit dem Wagen 1822 und war erst Ende März 1982 mit der Zulassung der letzten Fahrzeuge dieses Baujahres abgeschlossen. Bereits kurz nach Indienststellung wurden die dem Betriebshof Müllerstraße zugewiesenen Wagen 1817 - 1825 als Ersatz für ausscheidende Altfahrzeuge mit einer sogenannten Doppelbedienung versehen und konnten seither auch als Fahrschulbusse genutzt werden.

Im Mai 1982 wurde im Rahmen der THW-Übung "Maikäfer" von der Ponton-Gruppe des Ortsverbands Neukölln der damals nagelneue Wagen 1781 einmal quer über die Havel chauffiert. Ein Foto von dieser Aktion war auf der Titelseite der THW-Zeitung. (PDF, 800 KB)

Mit Wagen 1796 wurde die Großreparatur des ersten Busses der Serie SD 81 am 15. Februar 1987 abgeschlossen, als letzter Bus dieser Serie kehrte fast genau zwei Jahre später der Wagen 1830 am 10. Februar 1989 in den Liniendienst zurück. Im Zuge der Großreparatur der SD 81 erhielten einige der Busse einen abweichenden Sitzpolsterbezug. So wurden die Polster der Wagen 1773, 1775, 1776, 1782, 1787, 1788, 1800, 1801, 1807, 1810, 1825 und 1840 statt mit dem ab dieser Serie üblichem Plüschbezug mit dem aus älteren Fahrzeugen bekanntem roten Kunstlederbezug versehen.

Als erster SD 81 schied in Folge eines Verkehrsunfalls der Wagen 1788 im Februar 1993 aus dem BVG-Bestand aus. Nachdem mit dem Wagen 1779 im September des selben Jahres ein weiterer SD 81 unfallbedingt abgestellt werden musste - dieser wurde auf dem Betriebshof Lichtenberg beim Durchfahren einer für Doppeldecker gesperrten Hallenausfahrt am Oberdeck stark beschädigt - begann im Frühjahr 1995 die zustandsbedingte Ausmusterung dieser Fahrzeugserie. Diese erreichte im Frühjahr des Folgejahres ihren Höhepunkt, so dass zum Sommer 1996 von einstmals 70 Fahrzeugen lediglich noch 15 Busse im Bestand waren. Als letzter SD 81 schied im Juli 1997 der zu diesem Zeitpunkt dem Betriebshof Usedomer Straße zugewiesene Wagen 1787 aus dem Liniendienst aus.

SD 81 (MAN SD 200)

Am 4. Februar 1982 erwarteten neben 1820 eine Reihe weiterer SD 81 (und ein SD 82) die Auslieferung an die BVG.

Foto: Bernhard Hoff, Bearbeitung A. Spors

 

SD 81 (MAN SD 200)

Die Wagen 1826 und 1829 am 26. März 1982 auf dem Gelände der MAN-Niederlassung in Berlin-Haselhorst.

SD 81 (MAN SD 200)

Der Wagen 1783 verdingt sich auf einer Spandauer Linie auf dem Weg nach Staaken.

Foto: Peter Kutschkau

 

SD 81 (MAN SD 200)

Ein Klassiker der Berliner Buswerbung: seinerzeit stand noch nicht zur Debatte, welches Bier zum Feierabend getrunken wird.

Foto: Peter Kutschkau

SD 81 (MAN SD 200)

Kurz nach der Großreparatur im Jahre 1988 entstand die Aufnahme des Wagens 1780 in der Endstelle Zoologischer Garten.

SD 81 (MAN SD 200)

Äußerlich sichtbares Merkmal von zu Fahrschulbussen umgebauten SD 200 war stets der Metallbügel hinter der Frontscheibe. Die Aufnahme des Wagens 1821 entstand am 1. März 1997.

 

Text:Christian Neuhaus

zuletzt aktualisiert 9.3.2012 | Ulf Bergmann