MAN SD 80 bei der BVG
(MAN SD 200)

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Technische Daten SD 200

Bereits seit mehreren Jahrzehnten war es bei der Beschaffung neuer BVG-Doppeldecker üblich, den Auftrag zur Fertigung der Fahrzeuge an verschiedene Berliner Unternehmen zu vergeben. Wie schon bei den Vorgängertypen wurden zur Herstellung eines Doppeldeckers der Bauart SD200 aus dem MAN-Werk in Salzgitter vorgefertigte Bodengruppen mit bereits vorhandener vormontierter Frontpartie bei den jeweiligen Berliner Aufbauherstellern Gaubschat (bis SD 200 des Bj. 1975), Orenstein & Koppel und Waggon Union (vormals DWM) angeliefert. Diese bauten anschließend auf den Bodengruppen die Busse auf, wobei sich trotz unterschiedlicher Hersteller die Fahrzeuge eines Lieferjahres im Allgemeinen nur in einigen Details unterschieden. Letztmalig wurden im Jahr 1980 noch einmal 25 Busse der Bauart SD 200 durch Orenstein & Koppel geliefert (Wagennummern 1746 - 1770), bevor sich das Unternehmen auf die Fertigung von Baumaschinen und Rolltreppen konzentrierte. Weitere 45 Fahrzeuge (Wagenummern 1701 - 1745) wurden im selben Jahr durch die Waggon Union gefertigt.

Gegenüber der Vorjahreslieferung unterschieden sich die 70 im Jahr 1980 in Dienst gestellten Wagen zum einen durch die Drehung der am Kinderwagenplatz gelegenen Sitzbank um 180° und die Ausstattung von 25 Wagen (1721 - 1745) mit Plüschpolstern statt der sonst üblichen Sitzpolster mit rotem Kunstlederbezug. Die mit Plüschpolster versehenen Wagen erhielten ferner im Innenraum statt der bewährten Hornitex-Seitenverkleidung mit Kirschbaummuster und weißen Hornitex-Deckenplatten erstmals eine mit hellbraunem Kunstleder bezogene Seitenverkleidung sowie mit weißem Kunstleder bezogene Deckenplatten. Da sich die Kunstlederverkleidung im Laufe der Zeit als sehr zerstörungsanfällig herausstellte, wurden diese, meist im Rahmen der fälligen Großreparatur, gegen die robustere Hornitex-Innenverkleidung getauscht.

Des weiteren waren die numerisch letzten Fahrzeuge dieser Serie versuchsweise mit einer in Höhe und Winkel verstellbaren Lenksäule ausgestattet.

Mit der ab August 1980 beginnenden Indienststellung wurden die Wagen zunächst den Betriebshöfen Britz (1701 - 1710 und 1726 - 1730), Helmholtzstraße (1731 - 1735), Müllerstraße (1711 - 1720 und 1741 - 1745), Cicerostraße (1721 - 1725 und 1766 - 1770), Spandau (1736 - 1740), Zehlendorf (1746 - 1755) und Usedomer Straße (1756 - 1765) zugewiesen.

Die bei BVG-Doppeldeckern übliche Aufarbeitung nach etwa sechs Einsatzjahren wurde im Januar 1986 an 1717 als erstem SD 80 abgeschlossen. Mit dem Wagen 1761 kehrte im November 1987 der letzte SD 80 in den Liniendienst zurück.

Entsprechend der Nachrüstung der SD-Serien ab Baujahr 1981 mit einem zusätzlichen eckigen Blinkerpaar oberhalb der Unterdeckheckscheibe wurde der Wagen 1745 mit einem zusätzlichen (runden) Blinkerpaar versehen, womit der Bus den später geltenden Anforderungen für den Schulbuseinsatz entsprach.

Wie auch einige Busse der Nachfolgeserie SD 81 wurden zwei Fahrzeuge dieser Baureihe im Rahmen der Großreparatur mit einer vom Auslieferungszustand abweichenden Bepolsterung versehen: Die Wagen 1739 und 1742 erhielten so statt der dem Auslieferungszustand entsprechenden Plüschpolsterung Neupolster mit rotem Kunstlederimitat. Dagegen war es wohl eher der Eigeninitiative des Betriebshofes Indira-Gandhi-Straße zuzuschreiben , dass im Jahr 1994 die Plüschbestuhlung des kurz zuvor unfallbedingt ausgemusterten Wagens 1726 in Wagen 1764 eingebaut wurde.

Die Ausmusterung der Fahrzeuge der Bauart SD 80 begann im Juni 1993 mit der zustandsbedingten Abstellung der Wagen 1713 und 1738 und erreichte mit dem Ausscheiden von 37 Fahrzeugen allein im Oktober 1994 ihren Höhepunkt. Obwohl danach lediglich 18 SD 80 im BVG-Bestand verblieben, schieden mit den Wagen 1764 und 1754 die letzten Busse dieser Bauart erst im März bzw. Mai des Jahres 1997 aus dem Linieneinsatz aus.

Nach erfolgtem Umbau zum Konferenzbus fand der Wagen 1737 im Jahr 1996 unter der neuen Wagennummer 2068 zurück in den BVG-Fuhrpark. Dabei kam der Bus zunächst bei Promotion-Einsätzen der BVG zum Einsatz, um anschließend im Rahmen einer Bildungsinitiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog auf Deutschlandreise geschickt zu werden. Nach weiterer Nutzung als Werbebus für das American-Football-Team »Berlin-Thunder« und darauf folgender Verwendung im Rahmen des Bundestagswahlkampfes 2002 für die Kampagne eines Lokalpolitikers, schied mit 2068 (ex 1737) im Februar 2003 auch der letzte SD 80 endgültig aus dem BVG-Bestand aus.

Mit dem Wagen 1749 wird ein Vertreter der letzten der von der Firma Orenstein & Koppel gefertigten Doppeldecker-Generation in der Fahrzeugsammlung der Traditionsbus aufbewahrt.

Text: Christian Neuhaus
Stand: 15.4.2009


SD80

Am 29. Juni 1995 wartet der Fahrer des Wagens 1717 auf potentielle Fahrgäste.

Der Bus trägt die siebente Version einer Bandwerbung für das Waschmittel "Persil", für welches BVG-Doppeldecker von 1951 bis 2006 geworben haben.

Foto: C. Neuhaus

SD80

Es darf gefeiert werden: Anlässlich der Eröffnung des U-Bahnhofes Herrmannstraße sind der ehemalige Wagen 1737 am 14. Juli 1996 zusammen mit der Busschule 2719 (SD 75) angereist.

Foto: C. Neuhaus

SD80

Im Jahr 1998 wurde 2068 auf Deutschlandreise geschickt.

Foto: C. Neuhaus

SD80

13. Mai 2000: 2068 ist als "schwarzer Ritter" für das Football-Team Berlin-Thunder im Einsatz.

Foto: C. Neuhaus

SD80

Wiederum zwei Jahre später wurde 2068 für den Bundestagswahlkampf eingespannt.

Foto: C. Neuhaus

SD80

Begegnungen in der Titiseestraße: Während der Wagen 3391 (SD 84) in Richtung Endstelle Alt-Lübars unterwegs ist, setzt sich der einzige mit zusätzlichen Blinkleuchten nachgerüstete SD 80, Wagen 1745, in Richtung Tegelort in Bewegung.
Das Bild war nur möglich, weil die Stadtplaner an einer eigentlich unbedeutenden Nebenstraße in einer Wohngegend noch genügend Geld für eine die Straße überspannende Fußgängerbrücke übrig hatten…

Foto: C. Neuhaus

 zuletzt aktualisiert 24.6.2010 | Ulf Bergmann