MAN E2H 83
(Eindecker mit 2 Achsen und Heckmotor)

Wagen 1648 - 1662

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Wie bereits seit Jahren praktiziert, beschaffte die BVG auch im Jahr 1983 neue Eindecker von ihren beiden Stammlieferanten Daimler-Benz und MAN. So wurden den 35 Daimler-Benz-Bussen 1613 – 1647 noch weitere 15 Fahrzeuge vom Typ MAN SL 200 an die Seite gestellt, die die Wagennummern 1648 – 1662 erhielten.

 

Die seit 1981 bei BVG-Eindeckern gängige Wollplüschbestuhlung wurde im Gegensatz zu den 20 MAN-Bussen des Jahres 1981 nun wieder in rot gehalten, und auch die schon bei den Daimler-Benz-Eindeckern übliche neue automatische Ansteuerung der Zielfeldanzeige des Rollbandes mittels „Auf“- und „Ab“-Tastern hielt nun auch bei den MAN-Wagen Einzug.

 

Ende Mai bis Anfang Juni 1983  - und somit gut drei Monate nach den Daimler-Bussen  - standen die MAN-Pendants der BVG zur Verfügung, die sie den Betriebshöfen Britz (1648 – 1657) und Zehlendorf (1658 – 1662) zuordnete.

 

Ab September 1986 war eine Fuhrparkerneuerung der bisher für den grenzüberschreitenden Verkehr in die DDR vorgehaltenen Omnibusse notwendig. Es kam nun den zwischenzeitlich den Betriebshöfen Zehlendorf und Müllerstraße zugewiesenen Fahrzeugen 1650 -1653 (Hof Z) und 1654 – 1657 (Hof M) die Bestimmung zu, im regelmäßigen Grenzverkehr eingesetzt zu werden.

 

Die hierfür verwendeten Fahrzeuge mussten gemäß einer Vorgabe der DDR-Behörden frei von Werbung sein und durften auch nicht über Fahrscheinentwerter verfügen, da in diesen Schmugglerware hätte versteckt sein können. Auch erhielten die Fahrzeuge zusätzliche Griffmulden an allen Wartungsklappen, um diese beim Grenzkontrollprozess einfacher öffnen zu können.

 

Die so für den grenzüberschreitenden Linienverkehr vorgehaltenen Wagen konnten im regulären Liniendienst nur noch sehr eingeschränkt verwendet werden, zumal sich auch deren Zielbänder im Wesentlichen auf dieses Einsatzgebiet beschränkten. Aufgrund entsprechender Erfahrungen verfügten diese Busse auch über stärkere Batterien, da die Bergung eines auf dem Hoheitsgebiet der DDR mit leerer Batterie stehen gebliebenen Busses nicht ohne weitere Bürokratie möglich war. Zudem „übernachteten“ die für den Folgetag zum Einsatz auf den Transitlinien vorgesehenen Busse auf den Betriebshöfen regelmäßig an Batterieladegeräten.

 

Im Mai 1987 wurde dieser Sonderwagenfuhrpark um die Zehlendorfer Wagen 1648 und 1649 erweitert; für den Hof Müllerstraße folgten im September 1987 noch die Wagen 1658 und 1659. Im September 1988 reihte sich mit dem Wagen 1661 ein dreizehnter Wagen in den Bestand der Sonderfahrzeuge für den Grenzverkehr ein.

 

Mit dem Fall der Mauer kamen auf den grenzüberschreitenden Buslinien Doppeldecker zum Einsatz, womit die dreizehn Busse nach entsprechend technischer Anpassung (neue Zielbänder und Nachrüstung mit Entwertern) in den regulären Liniendienst zurückkehrten.

 

Für ein aus Bundesmitteln gefördertes Projekt zur Kraftstoffeinsparung wurde der Wagen 1662 mit entsprechenden Messinstrumenten ausgestattet. Mit dem Bus wurden verschiedene Versuchsreihen durchgeführt, bei denen der Kraftstoffverbrauch eines konventionellen Autobusses im Liniendienst unter verschiedenen Lastsituationen ermittelt wurde.

 

Im März 1996 schied als erster MAN E2H 83 der Wagen 1655 aus dem BVG-Bestand aus. Bereits Ende Mai bzw. Anfang Juni desselben Jahres folgten diesem die Wagen 1656 und 1658. Nach entsprechendem Neufahrzeugzugang wurden Anfang Juni des Folgejahres alle zu dem Zeitpunkt dem Hof Zehlendorf zugewiesenen MAN E2H 83 ausgemustert, es verblieben zunächst nur noch die in der Müllerstraße beheimateten Wagen 1659 und 1661 im Bestand.

 

Mit Ende der Sommerferien 1997 schieden auch die letzten beiden Vertreter dieser Serie aus dem Liniendienst, womit das Kapitel von SL 200 bei der BVG beendet worden war.

 

 

Text: C. Neuhaus

Stand: Januar 2011

 

 

 

MAN E2H (SL 200)

Ein täglicher Wanderer zwischen den (politischen) Welten zeigt sich am 15. September 1989 dem Fotografen. Zwei Monate später waren Sonderwagen für die Linien 98 und 99 Geschichte.

Foto: E. Schulz

MAN E2H (SL 200)

Der direkte Vergleich eines ehemaligen Wagens für den Grenzverkehr (1652) mit einem nicht dafür verwendeten Bus (1662) lässt die an Wagen 1652 zusätzlich angebrachten Griffmulden an den seitlichen Wartungsklappen erkennen

Foto: R. Messer

MAN E2H (SL 200)

Für die zuletzt in Zehlendorf stationierten MAN E2H 83 waren die vom S-Bahnhof Wannsee ausgehenden Linien zuletzt eine Bank.

Foto: R. Messer

MAN E2H (SL 200)

Und tschüss: Am Tag der Abstellung rückt sich 1655 nochmal für ein Abschiedsfoto ins rechte Licht.

Foto: C. Neuhaus

 

 

 

zuletzt aktualisiert 4.1.2011 | Ulf Bergmann