MAN DL 05 (Lion's City DD, ND 313, Typ A39)
(Doppeldecker lang)

Es liegen weitere Beschreibungen vor zum MAN DL:
DL 07    DL 08    DL 09

Im Sommer 2004 übergab die Neoman GmbH ihren ersten vorwiegend für die Berliner Verkehrsbetriebe entwickelten Stadt-Doppeldecker »Lion's City DD«. Dieser neue Fahrzeugtyp, BVG-intern als DL (Doppeldecker lang) bezeichnet, der auf dem Neoplan N4526 basiert und auf die Bodengruppe A39 aufgebaut ist, hat eine Länge von 13,73m, womit er alle bisherigen Berliner Doppeldecker um über 1,70m überragt. Der Wagen verfügt auch über eine Klimaanlage, für Stadt-Doppeldecker ebenfalls ein Novum. Diesem ersten Prototypen Wagen 3099 folgte im Rahmen der Feierlichkeiten »100 Jahre Motoromnibus in Berlin« am 4. September 2005 mit dem Wagen 3102 (vorgestellt als 3100) der erste Serienwagen, der - erst am Vortag fertig gestellt und noch nicht amtlich angemeldet - vor Berliner Publikum auf dem Betriebshof Cicerostraße vom Neoman-Vorstand an die BVG übergeben wurde.

Ein zweiter, zunächst zu Wagen 3099 baugleicher Prototyp, wurde seitens des Herstellers zunächst als Vorführwagen verwendet und erstmals auf der IAA 2005 in Hannover vorgestellt. Von diesem Bus sind Einsätze in Aalen sowie eine Präsentation des Busses anlässlich der Eröffnung einer MAN Niederlassung in Norditalien bekannt. Nach einer technischen Angleichung dieses Wagens an die Serienfahrzeuge vom Typ DL 05 der BVG (z. B. bezüglich der Motorisierung, der Elektrik und der Innenraumbestuhlung) wurde dieser Bus bei der BVG im November 2009 mit der Wagennummer 3101 in Dienst gestellt.

Die Indienststellung der 102 Serienfahrzeuge (Wagennummern 3102 - 3203) begann im Dezember 2005 mit der amtlichen Zulassung des Wagens 3102; als letztes Fahrzeug dieser Serie gelangte der Wagen 3186 im August 2007 in den Fahrgastverkehr.

Der Tradition früherer Berliner Doppeldeckergeneration folgend wurde auch der Großteil der Fahrzeuge der Bauart DL nicht vom Hersteller (NEOMAN) fertig gestellt, sondern in Berlin endgefertigt. Waren es in der Vergangenheit heute längst nicht mehr existierende Unternehmen wie Gaubschat, Orenstein & Koppel oder die Waggon Union, die aus einem von Büssing oder später von MAN gelieferten Fahrgestell erst einen Bus machten, so war es bei den DL die BVG-eigene Zentralwerkstatt, die zur Sicherung hiesiger Arbeitsplätze den Innenausbau der im Rohbau angelieferten Fahrzeuge vornahm. Aufgrund von Kapazitätsengpässen wurden ab dem Herbst 2006 auch einige DL-Fahrzeuge auf dem BVG-Betriebshof Indira-Gandhi-Straße komplettiert. Lediglich 23 der 102 Serienwagen sowie die Prototypen 3099 und 3101 gelangten quasi schlüsselfertig zur BVG.

Die Endfertigung der Busse wurde wie folgt vorgenommen:

NEOMAN

3099, 3101, 3102, 3104 - 3110, 3112, 3114, 3115, 3117, 3119, 3120, 3122, 3123, 3125, 3126, 3128 - 3130, 3132 (24 Wagen)

BVG-Zentralwerkstatt

3103, 3111, 3113, 3116, 3118, 3121, 3124, 3127, 3131, 3133 - 3173, 3175, 3176, 3178 - 3196, 3200 - 3203 (76 Wagen)

Betriebshof Indira-Gandhi-Straße

3174, 3197, 3198, 3199 (4 Wagen)

Wie schon der beschriebene Wagen 3101 gelangte auch 3103 nach der Fertigstellung nicht sofort zur BVG. Stattdessen wurde dieser Wagen von NEOMAN zunächst für Erprobungszwecke genutzt.

Die schlüsselfertige Anlieferung von insgesamt 24 Wagen aus einem numerisch nicht zusammenhängenden Nummernblock, die nicht chronologisch nach Wagennummern erfolgte Fertigstellung der Busse, sowie während der Auslieferungsphase vorgenommene Fahrzeugumsetzungen zwischen den Betriebshöfen haben bei den Doppeldeckern der Bauart DL leider die bei der BVG bisher geflegte Tradition der Zuweisung zusammenhängender Wagennummernblöcke zu einem Betriebshof zunichte gemacht. Dies spiegelt auch die Übersicht der Zuordnung der Busse zu den Betriebshöfen zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung wider:

 

Britz

3101, 3175, 3178, 3180, 3182, 3188, 3197

Cicerostraße

3103, 3116, 3122, 3123, 3126, 3128 - 3132, 3137, 3148, 3150 - 3153, 3156, 3160, 3161, 3164 - 3174, 3176, 3177, 3179, 3181, 3183 - 3185, 3187, 3189 - 3196, 3198 - 3203
Indira-Gandhi-Straße
3102, 3104 - 3115, 3117, 3119, 3120, 3134, 3136, 3140, 3142, 3143, 3145 - 3147, 3154, 3157 - 3159, 3162, 3163
Müllerstraße
3099, 3186

Spandau

3118, 3121, 3124, 3127, 3133, 3135, 3138, 3139, 3141, 3144, 3149, 3155

 

Um Schülern der BVG-Fahrschule auch die Ausbildung auf Fahrzeugen vom Typ DL anbieten zu können, wurde der Wagen 3138 im Herbst 2006 zum Fahrschulbus umgerüstet. Nach gleichen Vorbild wurde auch der Wagen 3136 umgebaut. Die Wagen können seitdem sowohl im Liniendienst als auch als Fahrschulwagen eingesetzt werden.

 

Noch vor Indienststellung der letzten Fahrzeuge der Bauart DL 05 gelangten mit den Wagen 3220 und 3221 die ersten beiden der wiederum 103 Fahrzeuge umfassenden Nachfolgeserie DL 07 (Wagennummern 3220 - 3322) in den Liniendienst, von der ebenfalls einige Fahrzeuge von NEOMAN bereits einsatzfertig an die BVG übergeben worden sind.

Wegen fortschreitender Korrosion im Fahrzeugaufbau wurde der Wagen 3121 im Dezember 2011 in die BVG-Hauptwerkstatt überstellt und als erster DL-Bus der BVG einer Sanierung des Fahrzeugaufbaus unterzogen. Der Bus wurde bei dieser Gelegenheit im Einstiegsbereich versuchsweise mit einem elektrischen Türantrieb ausgestattet; die Ausstiegtüren werden weiterhin – wie bei allen anderen DL-Bussen auch – mittels Druckluft geöffnet und geschlossen.

Nach erfolgter Sanierung des Wagens 3121 Anfang 2013 vergingen leider noch mehr als drei Jahre, bis auf Grundlage einer Vereinbarung über die Kostenaufteilung zwischen der BVG und dem Hersteller MAN die Sanierung der DL-Busflotte beginnen konnte. Als erster DL-Bus – und somit auch als erster DL 05 – wurde der Wagen 3111 im Februar 2016 zur Aufarbeitung überstellt. Als letzter DL 05 dieser sowohl von der BVG als auch vom Hersteller MAN vorgenommenen Wagensanierung – BVG-intern „Laufzeitsicherung“ genannt – kehrte der Wagen 3176 im Februar 2021 in den Liniendienst zurück.

Insgesamt haben mit den Wagen 3102 – 3130, 3133 – 3148, 3151, 3153, 3154, 3156, 3166 – 3168, 3170, 3174, 3176, 3178, 3179, 3183, 3188, 3189, 3192, 3194, 3196, 3199, 3201 und 3203 82 DL-Busse eine unterschiedlich umfangreiche Aufarbeitung erhalten.

Zur weiteren Senkung der Feinstaubemissionen über das ohnehin nach Euro IV erfüllte Maß hinaus sind die DL 05 als letzte Doppeldeckerserie ab dem Frühjahr 2018 mit einem Partikelfiltersystem der Firma Twintec nachgerüstet worden. Ohne Umrüstung blieben nur die die Wagen 3117, 3129, 3134, 3151, 3174 und 3176.

Drei Jahre später sollte sich diese – eigentlich lebensverlängernde Maßnahme – für alle mit einer Filteranlage nachgerüsteten DL 05 als Bumerang erweisen, denn mit dem Konkurs des Unternehmens Baumot und seiner Tochterfirma Twintec konnten defekte Abgasfilteranlagen aufgrund von Teilemangel nicht wieder instandgesetzt werden, was die Zwangsabstellung aller DL 05 bedeutete, bei denen lediglich die Abgasfilteranlage defekt war oder die aufgrund einer defekten Abgasfilteranlage die technische Hauptuntersuchung oder die vierteljährliche Zwischenuntersuchung nicht bestanden.

Als erster DL überhaupt - und somit auch als erster DL 05 - schied der Wagen 3132 aus dem BVG-Bestand aus. In der Nacht auf den 2. Januar 2016 fing das auf der Linie N20 eingesetzte Fahrzeug in Folge eines Defekts an der Fahrzeugelektrik Feuer und brannte vollständig aus. Glücklicherweise kamen weder der Fahrer noch Fahrgäste dabei zu Schaden. Am Morgen des 31.5.2018 fing der auf der Linie X33 eingesetzte Wagen 3126 auf der Straße Am Juliusturm Feuer und wurde schwer beschädigt.

Am Jahresende 2022 standen nur noch die Wagen 3130 und 3137 als letzte DL 05 im BVG-Linieneinsatz. Wagen 3130 beschloss seine BVG-Karriere mit einem ganztägigen Einsatz auf der Linie M19 am 27.4.2023 und einem kurzen Auftritt in der Frühspitze des 28.4.2023 auf der Linie X83, bevor der Bus als letzter DL 05 zum Monatswechsel wegen HU-Ablauf abgestellt wurde.

Die hier hinterlegte PDF-Datei (Größe: 52 kB) enthält die wichtigsten Fahrzeugdaten zur Bauart DL 05.

Text: Christian Neuhaus, Stand Mai 2023