Wagen 2000

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Innenraum Wagen 2000
Der Innenraum von 2000 mit dem Kofferpodest für den Einsatz auf der Flughafenlinie 9. Foto: Tim Asare

DB E 85 (Daimler-Benz O405)

Wie schon bei der Einführung der so genannten VÖV-Standard-I-Fahrzeuge zu Beginn der Siebzigerjahre zögerte die BVG auch recht lange, Busse der nachfolgenden Standard-II-Generation anzuschaffen. Erst im Jahr 1985, als andere Verkehrsbetriebe schon Erfahrungen mit derartigen Bussen gesammelt hatten, wurde von Mercedes-Benz ein Fahrzeug der Bauart O405 angeschafft, das am 29. Mai des Jahres amtlich zugelassen und dem Betriebshof Cicerostraße zugeordnet wurde.

Zum Einsatz auf der die West-Berliner Innenstadt und den Flughafen Tegel verbindenden Linie 9 (heute 109) wurde der mit der Wagennummer 2000 in den Fuhrpark eingereihte Bus entsprechend den anderen auf dieser Linie eingesetzten Bussen ab Werk mit einer markanten hellblauen Lackierung und dem Schriftzug »Airport-City« versehen.

Da sich der Einsatz der hellblau lackierten Busse (neben Wagen 2000 noch 20 MAN SL 200 des Baujahres 1981, Wagenummern 1513 - 1532) auf die am Flughafen Tegel endenden Linien beschränkte, boten sich diese - und mit Wagen 2000 insbesondere der modernste der Flughafenbusse - dafür an, Innovationen der Fahrgastinformationstechnik zu erproben. So wurde Mitte der Achtzigerjahre in der Wartehalle der Haltestelle »U-Bahnhof Adenauerplatz« die Abfahrtszeit des nächsten Busses zum Flughafen Tegel in einem Display angezeigt, wofür ein Teil der Busse mit einem am Dach installierten Sender ausgestattet wurde. Gleichzeitig verfügten diese Busse über eine auf LCD-Technik basierende Haltestellen-Innenanzeige. Da bei der BVG weitere Eindecker der Standard-II-Generation erst im Oktober 1986 in Dienst gestellt wurden, avancierte der Wagen 2000 Mitte der Achtzigerjahre quasi zum Vorzeigestück der BVG-Eindeckerflotte. Kein Wunder also, dass sich das Bild dieses Busses vor dem Flughafen Tegel in fast allen Veröffentlichungen dieser Zeit wiederfindet und der Bus sogar in einem BVG-Quartettspiel »ausgespielt« werden konnte.

Mit Indienststellung von insgesamt 135 Niederflurbussen der Hersteller MAN und Mercedes-Benz im Jahr 1990 wurden die bisher auf der Linie 9 eingesetzten technisch veralteten MAN SL200 von dort abgezogen, jedoch lediglich der an einigen Bussen vorhandene »Airport-City«-Schriftzug entfernt. Die nun freizügig im Stadtgebiet eingesetzten ehemaligen Flughafenbusse sorgten mit ihrer blauen Lackierung nun immer wieder für bunte Farbtupfer im Stadtbild. Wagen 2000 hingegen wurde nun auch auf der neu eingerichteten Zubringerlinie zwischen dem Flughafen Tegel (ehemals West-Berlin) und dem Flughafen Schönefeld (ehemals DDR) eingesetzt. Da diese Linie jedoch zuschlagpflichtig war, wurde die gemeinsam von der BVG (West-Berlin) und den BVB (Ost-Berlin) betriebene Linie schon im Folgejahr mangels Nachfrage wieder eingestellt.

Da zum gleichen Zeitpunkt die Anbringung einer Totalwerbung für »Kalkhoff-Fahrräder« an zwei BVG-Eindeckern in Planung war, bot es sich an, die blaue Flughafenbus-Lackierung an Wagen 2000 durch Anbringung dieser Werbung am 10. Juli 1991 zu löschen. Diese wiederum wurde erst am 1. November 1994 wieder entfernt, womit sich 2000 fast zehn Jahre nach Indienststellung erstmals in der BVG-typischen sandgelben Lackierung präsentierte. In dieser warb der Bus vom 4. Januar 1995 bis zum 10. Januar 2000 noch für die Baumarktkette »Stinnes« und vom 8. Februar 2000 bis zum 10. Januar 2001 mittels einer Heckwerbung für das VW-Autohaus »Möbus«.

Mit fortschreitender Modernisierung des Fuhrparks boten sich seitens des BVG-Betriebshofes Cicerostraße keine Einsatzmöglichkeiten mehr für diesen Bus, weshalb er am 27. April 1996 zum Betriebshof Lichtenberg umgesetzt wurde. Hier sorgte 2000 mindestens einmal für großes Aufsehen, als sich ein Jugendlicher in Selbstmordabsicht von einem Hochhaus stürzte und ausgerechnet auf dem Dach des Busses landete. Für beide Beteiligte endete dieser Vorfall glücklicherweise glimpflich. Als auch seitens des Hofes Lichtenberg die Einsatzmöglichkeiten »hochfluriger« Busse abnahmen, wurde der Wagen 2000 am 23. Juni 2000 dem so genannten Buspool zum Einsatz im Schienenersatzverkehr oder Vermietung an die privaten Subunternehmer der BVG zugewiesen. Der formelle »Abstieg« des Busses erwies sich jedoch nachträglich als eigentlicher »Aufstieg«. Aufgrund einer sich damals zuspitzenden BVG-Fahrzeugsituation war der Bus zunächst an den Betriebshof Spandau und anschließend lange Zeit an den Betriebshof Helmholtzstraße verliehen, der ihn (Ironie der Geschichte) auch regelmäßig in seinem alten Einsatzgebiet zwischen dem Flughafen Tegel und dem Zoologischen Garten auf der zwischenzeitlich eingerichteten Expressbus-Linie X9 einsetzte. Später wurde 2000 an den Betriebshof Zehlendorf verliehen, von wo aus der Bus überwiegend im Verstärkerverkehr zu den Verkehrsspitzen zum Einsatz kam.

Mit Indienststellung eines Großteils der BVG-Neufahrzeuge des 2002er Lieferloses wurde der Bus am 26. November 2002 abgerüstet und am 10. Dezember 2002 vorübergehend polizeilich stillgelegt. Als Vertreter der zweiten Standardlinienbus-Generation wurde 2000 in die Sammlung der ATB eingereiht.

Der Bus wurde zwischen März und August 2008 durch die Firma OMSA in Güstrow aufgearbeitet, erhielt seine unverwechselbare Airport-City-Lackierung zurück und wurde im Innenraum aufgearbeitet. Im Jahr 2012 wurde der Bus mit einem Kofferpodest ausgerüstet und mit dem polizeilichen Kennzeichen B-CJ 2000 zugelassen. So kam 2000 erstmals zur Traditionsfahrt zum Flughafen Tegel am 26. Mai 2012 in den Einsatz für die ATB. Eine Ausnahmegenehmigung erlaubte dabei den Einsatz des Wagens innerhalb der Umweltzone, die bis zum Mai 2015 für den Wagen sonst tabu blieb. Mittlerweile hat der Wagen seinen 30. Geburtstag erreicht und wurde im Juli 2015 auf das Kennzeichen B-VG 2000 H zugelassen.

Text: Christian Neuhaus