Wagen 415

Peter Kutschkau lieferte diese einzige bekannte Fotografie von 415 aus Einsatztagen, hier mit Tisserand-Werbung.
Die Aufnahme enstand am 13.09.1986
Auch von hinten eigentlich keine Schönheit... (Ralf Putzke)
Innen war der Bus im Jahr 1986 noch eine Rumpelkammer (Günter Opelt)
Wagen 415, Büssing E2U 64
...sechs Jahre später diente er als Gartenlaube (Mario Lange, 01.07.1992)...
... um dann am 25.04.94 seinen Weg nach Berlin anzutreten (Ralf Putzke)
Wagen 415, Büssing E2U 64
Zum zweiten Mal innerhalb von 35 Jahren eine Rohkarosse, diesmal aber nicht bei Gaubschat sondern in Güstrow bei Manika (Mario Lange, Feburar 1999)
Wagen 415, Büssing E2U 64
Zum zweiten Mal innerhalb von 35 Jahren eine Rohkarosse, diesmal aber nicht bei Gaubschat sondern in Güstrow bei Manika (Mario Lange, Februar 1999)
Wagen 415, Büssing E2U 64
Im Mai 1999, kurz vor dem Ende der Aufarbeitung in Güstrow, stattete Mario Lange 415 einen Besuch ab und fotografierte ihn dabei.
Wagen 415, Büssing E2U 64
Im Mai 1999, kurz vor dem Ende der Aufarbeitung in Güstrow, stattete Mario Lange 415 einen Besuch ab und fotografierte ihn dabei.
Wieder schick in Schale, aber stark gehbehindert, da noch immer der Motor fehlt.
Die ungleichen Brüder, festgehalten von Michael Müller

Büssing E2U 64

Sieht man sich diesen Bus von vorn an, könnte man meinen, er sei der kleine Bruder vom Doppeldecker Büssing DF, der im gleichen Jahr erstmals in Betrieb genommen wurde. Die Frontmasken sind nämlich nahezu identisch und machen beide Busse nicht gerade sympathischer.

Tatsächlich basiert der Typ E2U 64 jedoch auf dem Büssing TU3500-Fahrgestell mit U5-Unterflurmotor mit anfangs 125, später dann 110 PS, während der Typ DF als selbst tragende Einheit aufgebaut ist mit seitlich liegendem U7-Unterflurmotor mit 150 PS. Der E2U 64 ist auch in anderer Hinsicht ein Unikum, da er nicht wie die zuvor beschafften Wagen vom Typ Präsident (E2U 62S und 63S) über eine Heckplattform und auch nicht über die BVG-typischen Trilex-Räder verfügte. Die schmalen und weit innen in der Karosserie liegenden Räder verliehen dem Bus in Verbindung mit seinem recht hohen Aufbau eher ein zierliches Aussehen, die anfangs laut singenden Getriebe brachten ihm den Spitznamen »Heuler« ein.

Unser Wagen 415 wurde am 1. Oktober 1964 als eines von 30 Fahrzeugen der Bauart E2U 64 (Wagennummern 390 - 419) bei der BVG in Dienst gestellt und dem Betriebshof Lichterfelde zugewiesen. Etwa im Herbst 1967 erfolgte die Umsetzung des Busses zum Betriebshof Müllerstraße. Von hier aus kam Wagen 415 bis Anfang 1976 zum Einsatz. Wenige Wochen vor der Abstellung am 5. August 1976 wurde der Bus noch zum Betriebshof Zehlendorf versetzt. Während der Einsatzzeit bei der BVG war 415 zunächst mit einer Banderolenwerbungen für Tisserand Weinbrand (1. Version, von Oktober 1964 bis März 1971; zweite Version von April 1971 bis Januar 1972) und später mit einer Heckwerbung für Möbel-Hübner (3. Version, ab Mai 1972 bis zur Ausmusterung) versehen.

Nach der Ausmusterung wurde 415 an einen Privatmann verkauft und diente lange Zeit als Wohnmobil, bevor der Bus zuerst als Gartenlaube, dann als Hühnerstall und Gartenhaus seinem Ende entgegen sah. Wären da nicht unsere Gesellschafter Ralf Putzke und Frank von Riman-Lipinski gewesen, die den Wagen im September 1986 durch Zufall hinter einer Baumreihe in der Nähe einer Landstraße stehen sahen. Acht Jahre später, im April 1994, war er »unser« und trat seinen Heimweg nach Berlin im Schlepp eines Lkw an. Unser leider mittlerweile verstorbenes Mitglied Günter Opelt nahm sich des Wagens an und so kam es, dass er am 29.09.1998 den Weg nach Güstrow zur Firma Manika antreten durfte, diesmal per Tieflader, wo er bis Mai 1999 fast komplett neu aufgebaut wurde. Viele offene Fragen und technische Hürden führten jedoch dazu, dass der Wagen erst im Jahr 2007 fertig gestellt werden konnte. Der exotische und nur für die BVG hergestellte Motorblock ist für die Wiederinbetriebnahme des Busses komplett zerlegt und unter teilweiser Verwendung von Neuteilen wieder zusammengebaut worden. Nach der Komplettierung des Innenraums konnte der letzte noch existierende Bus dieser Bauart - der optisch zu unserem Wagen identische Wagen 554 des Deutschen Technikmuseums entstammt immerhin der vier Jahre älteren Baureihe E2U 60 - im Herbst 2008 amtlich angemeldet werden.

Am Wochenende 13. / 14. September 2008 und somit über 32 Jahre nach der Ausmusterung bei der BVG im August 1976 durfte Wagen 415 erstmals wieder als amtlich zugelassener Kraftomnibus Fahrgäste befördern.

Text: Björn Draegert
Bilder: Mario Lange, Michael Müller, Günter Opelt, Ralf Putzke

Stand 6.10.2008