Büssing DE 65

In den Sechzigerjahren zeichnete sich zunehmend die Entwicklung ab, statt eines Einsatzes der personalintensiven Schaffnerwagen vom Typ D2U und DF zum Einsatz personalsparenderer Einmannwagen überzugehen. Sowohl diese Überlegung, als auch die konstruktiven Merkmale der bisherigen Doppeldecker machten die Entwicklung des neuen Fahrzeugtyps DE (Doppeldecker Einmannwagen) erforderlich, der, wie auch die nachfolgende Serien DE 67 bis DE 74 nach Entwürfen der BVG-Konstruktionsabteilung entstand.

Das Fahrgestell und die Motoren lieferte die Firma Büssing, die Aufbauten wurden von den Berliner Firmen Gaubschat (Wagen 1659 - 1704), Orenstein & Koppel (1705 - 1749) und Deutsche Waggon- und Maschinenfabriken (Wagen 1750 - 1794) gefertigt. Die Auslieferung der Busse erfolgte von Oktober 1965 bis Februar 1967.

Technisch waren diese Fahrzeuge mit einem 150 PS leistenden Vorkammer-Dieselmotor U7, Diwabus-Getriebe vom Typ 145/150 U2, hydraulischer Lenkhilfe und Luftfederung ausgerüstet.

Im Oktober 1965 wurde das erste Fahrzeug der Serie DE 65 der Öffentlichkeit präsentiert. Der Zustieg erfolgte jetzt beim Fahrer - der zugleich die Inkassotätigkeit verrichtete - der Ausstieg durch die Mitteltür. Zum zügigen Fahrgastwechsel wiesen beide Türen die gleiche Breite auf. Weil bei diesem Fahrzeugtyp der Ausstiegsvorgang nicht mehr durch den Schaffner überwacht wurde, wurde eine automatische Tür entwickelt. Ein Fahrgast, der aussteigen wollte, betätigte den an der Mittelstange vor der Ausstiegstür angebrachten Signalknopf. Dem Fahrer wurde dann mittels einer Kontrolleuchte auf dem Armaturenbrett der Ausstiegswunsch signalisiert. Gleichzeitig leuchtete je ein Transparent im Oberdeck und Unterdeck auf, das den Haltewunsch auch den anderen Fahrgästen anzeigte. Nach Stillstand des Fahrzeugs gab der Fahrer durch einen Knopfdruck die Türen frei. Wollte der Fahrgast das Fahrzeug nun verlassen, so mußte er die vor dem Ausstieg befindlichen Klappschranken nach außen drücken. So wurde sichergestellt, daß sich die Tür während des Ausstiegs nicht schließen konnte. Erst wenn die Schranken wieder in ihre Ausgangsposition zurückgefallen waren, schloß sich die Tür automatisch.

Die Fahrzeuge der Serie DE 65 wiesen an dieser Stelle anfangs eine Besonderheit auf, die bei den nachfolgenden Serien entfiel. Anfangs waren die Klappschranken an einer Stange mittig im Ausstieg angebracht. Der Zustieg vor allem für Fahrgäste mit Kinderwagen oder Handgepäck wurde dadurch erheblich erschwert. Aufgrund von Beschwerden der Fahrgäste wurde dieser Mißstand ab der Serie DE 67 bereits ab Werk beseitigt und die Klappschranken wurden fortan an den rechts und links am Ausstieg befindlichen Haltestangen angebracht. Auch die Signalknöpfe für den Ausstiegswunsch wurden an diesen Haltestangen angebracht. Mit Auslieferung der Serie DE 67 wurde auch die Serie DE 65 ab September 1967 durch die BVG entsprechend umgebaut.

Einige Fahrzeuge der Serie DE 65 wiesen Abweichungen von den übrigen Fahrzeugen auf:

  • Der Wagen 1659 wurde Ende der sechziger Jahre als erster Wagen der Baureihe DE für den Fahrschuleinsatz umgebaut.
  • Bei den Wagen 1688 bis 1692 wurde dem Fahrer die Belegung eines Sitzplatzes im Oberdecks auf einem Tableau am Armaturenbrett durch das Aufleuchten eines Lämpchens signalisiert, während bei allen anderen Wagen das Lämpchen erlosch, wenn der Platz besetzt war.
  • Der Wagen 1692 hatte außerdem versuchsweise eine schmalere Treppe, ein niedrigeres Podest für Kinderwagen und der Kraftstofftank war unter der linken Fahrzeugseite angebracht.
  • Der Wagen 1703 besaß probeweise einen neuartigen Dieselmotor mit Direkteinspritzung (U7D), der 156 PS leistete und ein abgewinkeltes Armaturenbrett, was wesentliche Vorteile brachte, da die geraden Armaturenbretter der übrigen Fahrzeuge nicht blendfrei waren.

Die Ausmusterung begann im September 1977 mit dem Wagen 1682, dem im Oktober 1977 die Wagen 1752, 1754, 1756 und 1758 folgten und wurde im Juni 1980 mit dem Wagen 1788 beendet.

Text: Christian Winck