Daimler-Benz E2H 84
(Eindecker mit 2 Achsen und Heckmotor)

Wagen 1951 - 1990

Es liegt ein weiterer Aufsatz vor: 1986

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Als Mitte der Achtzigerjahre bei den Omnibusherstellern langsam der Generationenwechsel vom so genannten Standard-I-Omnibus zum Standard-II erfolgte, orderte die BVG nochmals 40 Fahrzeuge vom Typ Daimler-Benz O305.

 

Die zu der Vorgängerserie E2H 83 weitestgehend baugleichen Fahrzeuge – es wurde nur auf die Radlaufverkleidungen verzichtet – wurden ab Ende März 1984 unter den Wagennummern 1951 bis 1990 in Dienst gestellt. Als erste Fahrzeuge erhielten die Wagen 1952, 1954, 1961, 1963, 1964, 1965, 1966 und 1969 die amtliche Zulassung; mit der Indienststellung des numerisch ersten Wagen der Serie (1951) Ende April 1984 standen der BVG alle vierzig Busse zur Verfügung.

 

Ihren Dienst traten die Fahrzeuge anfangs auf den Betriebshöfen Helmholtzstraße (1951 – 1962), Lichterfelde (1963 – 1970), Spandau (1981 – 1990) und Zehlendorf (1971 – 1980) an.

 

Traditionell wurden technische Innovationen in dieser Zeit von der BVG eher an Doppeldeckern erprobt, da diese damals den Großteil des Fuhrparks ausmachten. Trotzdem wurde der Wagen 1980 Ende der Achtzigerjahre im Ausstiegbereich versuchsweise mit elektrisch angesteuerten Bode-Türen ausgestattet, mit denen er bis zu seiner Ausmusterung versehen war.

Üblich waren bis dahin bei allen Bustypen pneumatisch angetriebene Türen. Über die nächsten Jahre sollten dann elektrisch betriebene Türen bei allen BVG-Neuanschaffungen zum Standard werden, bis man nach der Jahrtausendwende zur Wartungs- und Störungsärmeren pneumatischen Türtechnik bei allen Neufahrzeugen zurückkehrte.

 

Als erster E2H 84 schied im April 1994 der Wagen 1989 in Folge eines Unfallschadens aus dem BVG-Bestand aus. Weitere zustandsbedingte Abstellungen folgten im Jahr 1997 mit den Wagen 1951 und 1981.

 

Das allmähliche Ende der Dienstzeit der E2H 84 fiel in einen Zeitraum extremer Wagenknappheit bei der BVG, so dass die Busse dieses Typs ein durchschnittliches Einsatzalter von mehr als sechzehn Jahren erreichten. Keine andere Eindeckerserie brachte es auf eine derart lange Einsatzzeit bei der BVG, wie diese vierzig Busse. Zum Vergleich dazu: die ersten O 305 bei der BVG sind nach gerade einmal der Hälfte dieser Einsatzzeit wieder aus dem Bestand ausgeschieden; die verschiedenen anderen Altbauserien waren durchschnittlich neun bis elf Jahre im Bestand.

 

Im Januar 2003 endete der Linieneinsatz von O305 bei der BVG mit der Abstellung des Wagens 1956 endgültig. Zuvor sind Ende November 2002 mit den Wagen 1962, 1963, 1971, 1976, 1978 und dem Wagen 1675 (DB E2H 85) auch die letzten dem so genannten Fahrzeugpool (Reservefahrzeuge für Ersatzverkehre) zugewiesenen Wagen dieser Bauart abgestellt worden.

 

Einzig der Wagen 1959, der im Rahmen einer Kunstaktion im Jahr 2001 verwendet wurde und seitdem nicht mehr als Linienbus eingesetzt werden konnte, verblieb noch bis September 2003 im BVG-Bestand.

 

Nach der Ausmusterung wurden die Wagen 1954, 1981 und 1984 zu Cabrioletbussen umgebaut und zum Teil als BVG-Vorführfahrzeuge für den Fahrzeugumbau verwendet. Mit Stand Dezember 2010 ist einer dieser Busse (der ehemalige Wagen 1984, der später als Vorführwagen 2057 im Bestand geführt wurde) sogar unweit seiner einstigen Heimatstadt noch immer anzutreffen: er findet als Stadtrundfahrtbus in Potsdam Verwendung.

 

Andere Fahrzeuge dieses Typs gelangten über Fahrzeughändler überwiegend nach Russland oder in heute unabhängige Staaten der ehemaligen Sowjetunion, wo sie in mehr oder minder gutem Pflegezustand noch heute im Einsatz sind.

 

Von der die späten Achtziger- und gesamten Neunzigerjahre mit prägenden Fahrzeuggeneration der DB E2H 84 wird der Wagen 1986 von der AG-Traditionsbus als ständig zugelassener Museumbus vorgehalten.

 

Wie auch schon zu BVG-Zeiten die ganze Serie, so hat sich der Wagen 1986 seit der Übernahme durch die ATB als robustes und äußerst zuverlässiges „Arbeitstier“ erwiesen.

 

Text: C. Neuhaus

Stand November 2010

 

DB E2H (O305)

Am 30.8.2001 macht sich 1956 im Nordosten der Stadt nützlich. Die Zielanzeige mittels Steckschild verrät, dass der Wagen noch nicht lange hier heimisch ist.

Foto: C. Neuhaus

DB E2H (O305)

Zu den wenigen Exemplaren mit Totalwerbung zählte 1960. Die wie damals üblich noch lackierte Werbung zeigt aber schon Alterserscheinungen. Der Wagen ist gerade an die Privatfirma ABUS verliehen.

Foto: C. Neuhaus

DB E2H (O305)

Not macht erfinderisch. Die offenbar defekte Zielanzeige wird für die Dauer der Reparatur mehr oder minder würdig von einem rückwärtigem Linienkasten und einem Steckschild vertreten. Später war dann 1971 wieder mit kompletter Beschilderung versehen im Einsatz.

Foto: C. Neuhaus

DB E2H (O305)

Im Sommer 2002 waren die letzten E2H noch unverzichtbar und wurden gerne auf Linien mit besonders schlechten Straßenverhältnissen eingesetzt, um Niederflurwagen zu schonen.

Foto: C. Neuhaus

DB E2H (O305)

Winter-, nein, Wochenendruhe auf dem Hof Indira-Gandhi-Straße: eine Reihe DB E2H wartet am 11. Januar 1997 auf besseren Wetter und den nächsten Berufsverkehr.

Foto: C. Neuhaus

DB E2H (O305)

Extremer Wagenmangel macht es möglich: gleich zwei Exemplare der ältesten Eindecker-Gattung übernahmen die Begrüßung der Berlinbesucher am Flughafen Tegel am 21. Februar 2000 auf der Linie 109.

Foto: C. Neuhaus

DB E2H (O305)

Das bevorstehende Ende des E2H-Linieneinsatzes bedeutete nicht, dass die Busse unterbeschäftigt waren. Im Gegenteil: extremer Wagenmangel sorgte bis zum letzten Tag für Abwechslung, so dass 1990 sich im Juni 2001 auf der Linie 110 einfand. Und trotz des Fahrzeugalters wurde wohl noch in die Fahrzeuge investiert, wie der angeschliffene Lack an 1990 beweist.

Foto: C. Neuhaus

 

 

zuletzt aktualisiert 10.11.2010 | Ulf Bergmann