MAN D 88 bei der BVG
(MAN SD 202)

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Technische Daten SD 202

Als zum Ende der Achtzigerjahre mit Vorstellung der ersten Niederflur-Eindecker ein aufgrund einer geringeren und stufenlosen Einstiegshöhe zunehmender Fahrgastkomfort bei Stadtlinienbussen Einzug hielt, war es nicht schwer, die bereits seit einigen Jahren in Berlin gängigen Doppeldecker der Bauart SD 202 dahin gehend anzupassen. Da diese Busse bereits stufenlos ausgeführt waren, genügte der Verzicht auf eine Haltestange im Ausstiegbereich und die Vergrößerung der Stellplatzfläche gegenüber der Ausstiegtür - unter Wegfall einer Sitzbankreihe - um auch diese Fahrzeuge als »rollstuhlfahrergerecht« ausweisen zu können. Demzufolge waren die 65 im Jahre 1988 von dem Berliner Aufbauhersteller »Waggon Union« gefertigten Doppeldecker (Wagennummern 3643 - 3707) bereits von außen an einem kleinen Rollstuhlfahrerpiktogramm im Frontbereich erkennbar.

Dem Fahrgast fielen als weitere markante Änderung im Innenraum die nun rotlackierten Haltestangen und -griffe ins Auge. Diese waren bei den Vorserien in braun gehalten. Ferner wurden ab dieser Serie alle Fahrzeuge mit elektrisch betriebenen Türen der Firma »Bode« ausgestattet. Daneben fallen die aufgrund des nun vergrößerten Stellplatzes weiter nach hinten verschobene Zusatzheizung und der Wegfall der Punkte zwischen den Buchstaben des auf der Heck- und Frontklappe angebrachten MAN-Logos eher als Detailänderungen ins Gewicht.

Bei Indienststellung wurden die Busse zunächst den Betriebshöfen Müllerstraße (3643 - 3653, 3698 - 3702), Britz (3654 - 3661), Spandau (3662 - 3671), Cicerostraße (3672 - 3675), Zehlendorf (3676 - 3687), Helmholtzstraße (3688 - 3697, 3705- 3707) und Usedomer Straße (3703 und 3704) zugewiesen. Dabei wurden gleichzeitig mit den Linien 12 (heute 120), 48 (heute M48), 62 (heute M21), 73 (heute M46) und 94 (heute M49) fünf Buslinien festgelegt, auf denen der Einsatz der rollstuhlfahrergerechten Fahrzeuge vorzugsweise erfolgen sollte. Auch gelangte unmittelbar nach Indienststellung im Jahre 1988 mit Wagen 3681 einer der Neuwagen zwecks Erprobung des bis dato für die Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft unbekannten Fahrzeugtyps für wenige Tage in den dortigen Linieneinsatz.

Zur Fahrgastzählung wurden die Wagen 3646, 3648 - 3651, 3653 - 3658, 3665 - 3668, 3670, 3671, 3674, 3675, 3677, 3679, 3682, 3683, 3685, 3686, 3688, 3690 - 3695, 3697 und 3699 - 3707 im Herbst 1989 mit einem Gewichtserfassungssystem versehen. Durch Messung der »Fahrzeugbeladung« konnte so auf die Linienauslastung geschlossen werden. Mit Indienststellung von Neufahrzeugen im Jahr 1996, die über ein genaueres, optisches System zur Fahrgastzählung verfügen, wurden die D 88 nicht mehr zur Fahrgastzählung eingesetzt.

Um die Verständlichkeit von Durchsagen zu verbessern, wurden bei Wagen 3650 nach Indienststellung versuchsweise zwei zusätzliche Lautsprecher in die Deckenplatten des Ausstiegsbereichs eingelassen. Der selbe Bus wurde aufgrund eines Kennzeichenverlusts im Mai 1996 in 3498 umgezeichnet.

Im Juni des selben Jahres wurde der Wagen 3673 versuchsweise mit einer Matrix-Zielanzeige versehen, die im Sommer 2001 jedoch wieder entfernt wurde.

Mit dem Wagen 3669 schied unfallbedingt im Winter 1999 der erste D 88 aus dem Fuhrparkbestand der BVG aus. Der Großteil der übrigen Fahrzeuge dieser Serie wurde ab dem Herbst 2000 zustandsbedingt ausgemustert. Die wenigen danach verbliebenen Busse dieses Baujahres wurden ab dem Jahr 2001 einer Aufarbeitung unterzogen, in die später auch einige bereits abgemeldete Busse einbezogen wurden. So waren nach Abschluß des Sanierungsprogramms von den einstmals 65 Bussen dieser Serie nur noch die 34 Wagen 3498 (ex 3650), 3645, 3648, 3649, 3658, 3659, 3663, 3665, 3668, 3672 - 3676, 3678 - 3682, 3684, 3685, 3689, 3693, 3695, 3697, 3699, 3700 und 3702 - 3707 im Linieneinsatz anzutreffen.

Trotz ihres höheren Alters blieben einige D 88 im Gegensatz zu ihren Folgeserien D 89 und D 90 bis zum Ende des SD 202-Einsatzes im Dezember 2009 im BVG-Liniendienst. So war es dem Wagen 3699 vergönnt, als letzter auf einer BVG-Metrobuslinie eingesetzter SD 202 in die Geschichtsschreibung einzugehen. Der Bus verkehrte am 22. Dezember 2009 ab dem Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden des Folgetags auf der Linie M37. Derselbe Bus war durch seinen morgendlichen Einsatz auf der Linie 337 am 28. Dezember 2009 auch gleichzeitig der letzte im BVG-Dienst eingesetzte D88.

Text: Christian Neuhaus
Stand: 15.4.2010

MAN

Am 16. Mai 1996 steht der ehemalige Wagen 3650 auf dem Vorplatz des Betriebshofes Müllerstraße, um erstmals nach seinem Kennzeichenverlust und nach Umzeichnung als neuer Wagen 3498 in Dienst zu gehen. Der Fotograf war Ohrenzeuge dabei, wie der Fahrer des Wagens 3498 der Funkleitstelle klarmachen musste, dass statt der dort eingehenden Funkkennung „3650“ der betreffende Wagen nun „3498“ heißt; in der Eile ist vergessen worden, die Funkgerätekennung anzupassen.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Als einer der ersten SD 202 ist der Wagen 3655 im April 1995 in die neuen Hausfarben der BVG umlackiert worden. Anlass dafür war die Neutralisierung der bisher an dem Bus angebrachte Totalwerbung für eine Fast-Food-Kette und die neu anzubringende Werbung für ABB Henschel, die auf sonnengelb einfach besser wirkt. Das moderne Aussehen von 3655 wurde gleich dafür genutzt, den Bus auf einer zeitgleich stattfindenden Messe zu präsentieren und mittels kleiner Aufkleber am Bus auf die Innovationen der (dort unterm Blech liegenden) Komponenten hinzuweisen.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Im Mai 1995 war 3655 dann auch im regulären Liniendienst, für den allerdings die BVG-Piktogramme auf den Oberdeckscheiben entfernt worden sind.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Wagen 3673 ist im März 2001 noch mit seiner modifizierten Fahrzielanzeige im Einsatz. Den direkten Vergleich mit der an SD 202 sonst üblichen ANNAX-Anzeige bietet der dahinter wartende Wagen 3781 der Bauart D 90.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Der frisch aufgearbeitete Wagen 3685 ist am 31. Mai 2002 auf der Linie 101 im Einsatz. Lack und Felgen strahlen noch um die Wette.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Mit viel Schwung nimmt 3693 die Kurve in die Wendeschleife an der Waldsassener Straße. Ohne die bei den D 88 häufige Zwangspause gelangte 3693 bereits im Jahr 2000 in das Aufarbeitungsprogramm.

Foto: U. Bergmann

MAN

An 3659 sind drei Lufteinlässe für die Heizlüfter im Oberdeck zu erkennen, die zwischen den Fenstern und der Seitenverkleidung warme Luft ausbliesen und den Wagen als spätestens 1988 geliefertes Fahrzeug ausweisen. Die Aufnahme entstand am 5. April 2006 vor dem Kaufhaus am U-Bahnhof Turmstraße.

Foto: U. Bergmann

MAN

Die Werbung hatte hier nicht ganz recht: bereits 101 Jahre lang waren Kraftomnibusse in Berlin unterwegs, als 3699 hinter dem Steglitzer Kreisel am 2. August 2006 auf seine nächste Tour an den südlichen Stadtrand wartet.

Foto: U. Bergmann

zuletzt aktualisiert 31.10.2010 | Ulf Bergmann