MAN D 86 bei der BVG
(MAN SD 202)

Es liegen weitere Beschreibungen vor zum SD 202:
D 87    D 88    D 89    D 90    D 91    D 92
   weitere SD 202

Es liegt ein Artikel vor zu folgendem SD 202:
3550

Technische Daten SD 202

Nach ausreichender Praxiserfahrung mit den Prototypen der Doppeldeckerbauart SD 202, den Wagen 3500 (D 80), 3501 und 3502 (beides D 83), wurde im Jahr 1986 erstmals eine Großserie des VÖV-Standard-Doppeldeckers der zweiten Generation - der Weiterentwicklung des bewährten SD 200 - durch den Berliner Aufbauhersteller Waggon-Union gefertigt. Traditionell wurde dabei das Fahrgestell von MAN in Salzgitter bezogen und der Bus bei dem Berliner Aufbauhersteller unter Verwendung von MAN-Fahrzeugteilen komplettiert.
Dabei entsprachen die 70 Fahrzeuge dieser Serie (Wagennummern 3503 - 3572) schon weitestgehend den letzten, erst im Jahr 1992, gefertigten Bussen dieser Bauart.

Obwohl sich die SD 202 des Baujahres 1986 - in Berlin als D 86 bezeichnet - technisch an die noch im Vorjahr in Dienst gestellten SD 85 (MAN SD 200, Baujahr 1985) anlehnen, unterscheiden sich beide Fahrzeugtypen im Erscheinungsbild wesentlich. Neben einer kleineren Bereifung wird dies insbesondere durch eine kantigere und klarere Fahrzeugform erreicht. Aber auch im Innenraum wird durch den Wegfall der Stufe im Ein- und Ausstiegbereich, deutlich größere Fensterscheiben, integrierte Lichtleisten sowie Schalensitze dem Fahrgast ein moderneres Ambiente geboten.

Die erst ab Februar 1987 in Dienst gestellten Busse wurden gleichmäßig auf die Betriebshöfe Britz (3503 - 3512), Müllerstraße (3513 - 3522), Spandau (3523 - 3532), Usedomer Straße (3533 - 3542), Zehlendorf (3543 - 3552), Cicerostraße (3553 - 3562) und Helmholtzstraße (3563 - 3572) verteilt. Bereits kurz nach Inbetriebnahme wurde der Wagen 3523 versuchsweise mit einer aus roten LED bestehenden Haltestellen-Innenanzeige, einer Haltestellenansage und modifizierten Türflügeln versehen und im Tausch gegen den Wagen 3553 zum Betriebshof Cicerostraße versetzt.
Weitere zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf dem Betriebshof Cicerostraße stationierte Busse der Bauart D 86 (Wagen 3554 - 3562) wurden an der Lautsprecheranlage modifiziert, so dass zur Erhöhung der Aufmerksamkeit der Fahrgäste bei Durchsagen diesen zunächst ein Gong-Ton vorangestellt wurde. Diese Funktion wurde recht schnell wieder entfernt, lediglich bei Wagen 3562 blieb der Gong-Ton bis zur Ausmusterung aktiviert.

Der bereits als Versuchsfahrzeug für neue Fahrgastinformationssysteme genutzte Wagen 3523 wurde später oberhalb der Einstiegstüren noch mit einem optischen Sender zur Ampelbeeinflussung ausgestattet. Gleichzeitig wurde dieser Bus zum Einsatz für Fahrgastzählungen mit einem Gewichtserfassungssystem versehen, welches anhand der »Fahrzeugbeladung« Rückschlüsse auf die Auslastung zuließ. Nach Ausstattung neuerer Fahrzeuge mit einer optischen (und genaueren) Zähleinrichtung wurde 3523 nicht mehr als Zählwagen eingesetzt.

Um das eigene Fahrpersonal auch auf moderneren Fahrzeugtypen zu schulen, wurden im Sommer 1990 die Wagen 3521, 3554 - 3562 zu Fahrschulbussen umgebaut und die vorher noch auf dem Betriebshof Cicerostraße stationierten Wagen 3554 - 3562 gleichzeitig dem die BVG-Fahrschule beherbergenden Betriebshof Müllerstraße zugewiesen.

Im Zuge einer Neuordnung des Lübeck-Travemünder Liniennetzes zum 28. Mai 1995 bestand bei der LVG ein erhöhter Doppeldeckerbedarf. Die Wagen 3511 und 3512 wurden daher von Herbst 1995 bis zum Frühjahr 1996 nach Travemünde vermietet.

Zur Eindämmung der speziell ab Mitte der Neunzigerjahre stark zunehmenden Sachbeschädigungen an BVG-Fahrzeugen rief die BVG im Jahr 1998 die Fahrgäste dazu auf, Ideen zur Umgestaltung des Fahrzeug-Innenraums einzubringen. Als Ergebnis dieses Aufrufs wurden im Wagen 3528 im Ober- und Unterdeck die letzten beiden Zweier-Sitzbankreihen quer zur Fahrtrichtung zu sogenannten »Konferenzecken« gedreht.

Als erstes Fahrzeug der Serie schied der Wagen 3503 im Herbst 1997 aus dem Linienbusbestand aus und wurde nach Umbau zum Stadtrundfahrtbus dem Fuhrparkbestand der BVG-Stadttouristik zugewiesen.
Nach einem Verkehrsunfall auf der Linie 185 schied der Wagen 3549 als erster D 86 im Februar 1999 gänzlich aus dem BVG-Fuhrparkbestand aus und wurde nach Reparatur und Umbau zum Cabrioletbus an ein Brüsseler Stadtrundfahrtunternehmen abgegeben.

Zustandsbedingt wurden ab dem Jahr 1999 die ersten Fahrzeuge der Bauart SD 202 in der BVG-Hauptwerkstatt einer Aufarbeitung unterzogen. Dabei wurden im Rahmen der sogenannten »Seitenwandsanierung« die mittlerweile massiv korrodierten tragenden Teile des Fahrzeugaufbaus erneuert, wobei D 86 aufgrund des Fahrzeugalters nicht mehr in Aufarbeitung gelangten.

In den letzten Einsatzmonaten waren nur noch vier Wagen im Bestand, die dem Fahrzeugpool des Betriebshofs Indira-Gandhi-Straße zugeteilt waren und nun die letzten Linienbusse ohne RBL im BVG-Bestand waren. Im Sommer 2005 war 3569 dauerhaft an den Hof Cicerostraße verliehen, der den Bus innerhalb der Woche - passend zum anderen Umlauf, den die ATB stellt - fast ausschließlich auf der Linie 218 einsetzte. Mit Abstellung der Wagen 3541, 3557 und 3569 Ende Oktober 2005 war die Bauserie D 86 ab Ende Oktober 2005 im Liniendienst der BVG nicht mehr anzutreffen. Da die Wagen 3541 und 3557 bis zu ihrer Ausmusterung mit einer Popwerbung versehen waren, war 3569 der letzte BVG-Doppeldecker in sandgelber Lackierung (RAL 1002).

Text: Christian Neuhaus
Stand: 15.4.2010

MAN

Besonders Besucherhighlight an Tagen der offenen Tür bei der BVG ist stets die Möglichkeit, einen Bus selber fahren zu dürfen. Um sowohl Mensch als auch Material zu schützen, werden dafür dann stets die auch als Fahrschulwagen nutzbaren BVG-Linienbusse nebst Fahrlehrer verwendet. Am 8. Dezember 1994 wird auf dem Gelände des Betriebshofes Indira-Gandhi-Straße ein Nachwuchsfahrer zum Umgang mit Wagen 3561 eingewiesen, dahinter wartet Wagen 3555 auf seinen Einsatz

Foto: C. Neuhaus

MAN

Am 15. Oktober 1995 steht der Wagen 3506 abfahrbereit an der damaligen Endstelle der Linie 177 (heute M77) am S-Bahnhof Plänterwald.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Insgesamt 20 Busse vom Typ SD 202 sind über die Jahre von der BVG an die Lübeck-Travemünder-Verkehrsgesellschaft LVG verliehen worden. 3511 war einer von ihnen und wartet am 27. Mai 1996 an der Haltestelle Strandbahnhof in Travemünde darauf, seine Fahrt nach Lübeck aufnehmen zu können.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Ab dem Jahr 1997 unternahm die BVG verstärkte Bemühungen, den grassierenden Vandalismus einzudämmen. Eine Maßnahme dagegen war der Umbau der Sitzbestuhlung im Fahrzeugheck zu sogenannten Konferenzecken. Dieser Umbau wurde zunächst in wagen 3528 erprobt, der dafür am 1. November 1997 auf dem Betriebshof Müllerstraße der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Der numerisch erste D 86, Wagen 3503, wurde im Herbst 1997 zum Stadtrundfahrtbus umgebaut. Das Bild zeigt den Wagen am Neujahrstag 1998 an der Abfahrthaltestelle der BVG-Top Tour.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Eine etwas andere Art von Gepäckbus war der Wagen 3534 im Jahr 2000: Zunächst als für die Gepäckaufbewahrung für die damals regelmäßig durchgeführte Skate-Night gedacht, kam der Bus auch am 7. Juli 2000 als Gepäckbus für die Teilnehmer der Love-Parade zum Einsatz.

Foto: C. Neuhaus

MAN

Zitat des Fahrers: "Ich weiß nicht, wo se den ausgebuddelt haben, aber da hinten liegt noch die Schippe." Trotzdem durfte 3569 am 13. Mai 2005 auf der Touristenlinie durch das Herz Berlins düsen.

Foto: U. Bergmann

MAN

Der auffälligste Unterschied der D 86 zu den Folgeserien ist neben den Radkastenabdeckungen die Heckklappe, die bis zur Unterkante des Aufbaus reicht. Die späteren Serien weisen hier eine Motorklappe mit geringerer Höhe auf und haben zusätzlich einen Schweller als unteren Abschluß. Präsentiert wird dieses Detail an 3503, der am 27. August 2005 vor dem Bahnhof Friedrichstraße auf neue Aufgaben wartet.

Foto: U. Bergmann

zuletzt aktualisiert 15.4.2010 | Ulf Bergmann