Wagen 3967

Wagen 3967, MAN SD 202
Mit seiner ersten Werbung präsentiert sich 3967 an der "Rudower Spinne" am südöstlichen Rand seines damaligen Einsatzgebiets. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Am nordwestlichen Rand des von Britzer Doppeldeck-Autobussen bedienten Bereichs, nämlich der Endhaltestelle Hertzallee in der Nähe des Zoos, nimmt 3967 eine Pausenzeit. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Nach dem Ende der Bundesgartenschau in Potsdam bewarb der Bus das Internetportal Berlin.de. Der Bus nimmt seine Wendezeit am heutigen Pfarrer-Lütkehaus-Platz am S-Bahnhof Lichtenrade. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Die Rückansicht des Wagens beweist, dass ein weißer Bus auch zur Winterzeit sauber sein kann. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
In der Nachmittagssonne hält 3967 kurz am S-Bahnhof Feuerbachstraße, bevor die letzten Meter zur Endhaltestelle zurückgelegt werden. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Als der Werbevertrag mit Berlin.de auslief, behielt 3967 seine sonnengelbe Front, aber der Rest vom Fahrzeug war eben noch sandgelb. So lief 3967 bis er in die Seitenwandsanierung gelangte. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Im Oktober 2003 ist 3967 gerade aus der Hauptwerkstatt Uferstraße zurückgekehrt, um weiterhin auf den Linien des Hofs Britz seinen Dienst zu versehen. Dies war anfangs noch in neutralem sonnengelb der Fall... Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
...bis Anfang 2004 ein Klassiker der Berliner Buswerbung, nämlich Bandwerbung für die Leiser Schuhhäuser, geklebt wurde. 3967 steht wieder auf sicherem Asphalt, nachdem der Bus gerade das holprige Kopfsteinpflaster der Dorfaue von Alt-Marienfelde hinter sich gelassen hat. Seit der Einführung des Metrolinienkonzepts verkehren alle Fahrten über den parallel verlaufenden Nahmitzer Damm. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Die längste Zeit seines Betriebslebens verbrachte 3967 auf dem Betriebshof Britz, zu dessen "klassischen" Doppeldecker-Reservaten auch die Linie 181 zählte. Am winterlichen 16. März 2006 steigen am U-Bahnhof Alt-Mariendorf noch Fahrgäste auf der Fahrt zum Walter-Schreiber-Platz zu. Dieses Aussehen behielt der Bus bis zu seiner Abstellung Ende 2009. Foto: U. Bergmann
Wagen 3967, MAN SD 202
Oft genug halfen SD 202 auf Linien abseits ihrer zugedachten Einsatzgebiete aus. Anstelle eines Gelenkbusses beginnt 3967 am Walther-Schreiber-Platz seine Fahrt auf der Metrolinie M76 nach Lichtenrade. Foto: U. Bergmann
Wagen 3967, MAN SD 202
Als D 92 erhielt 3967 rote Plakette, die die Einfahrt in die Berliner Umweltzone bis Ende 2009 erlaubte. So gelangte der Wagen zum Hof Cicerostraße, dessen letzte reine SD 202-Linie die 101 war. Am 2. Oktober 2008 beginnt eine Fahrt nach Zehlendorf vor dem Hertie-Kaufhaus am U-Bahnhof Turmstraße. Foto: C. Neuhaus
Wagen 3967, MAN SD 202
Im Sommer 2009 fand 3967 eine neue Heimat auf dem Betriebshof Müllerstraße. Am 30. Oktober 2009 verbindet der Wagen das Wohngebiet Tegel-Süd mit dem Geschäftszentrum am U-Bahnhof Alt-Tegel. Foto: U. Bergmann

MAN D 92

Immer, wenn bei Treffen der Mitglieder der Traditionsbus Berlin das Thema weiterer Busanschaffungen besprochen wird, kommt recht schnell die Erkenntnis auf, dass die schon jetzt umfangreiche Fahrzeugsammlung nicht endlos wachsen kann und den knappen personellen Ressourcen nicht eine wachsende Zahl zu betreuender (und technisch zu wartender und pflegender) Busse gegenüber stehen kann.

Andererseits können in Zeiten knapper öffentlicher Kassen die Verkehrsbetriebe der Aufgabe des musealen Erhalts ihrer ausgemusterten Fahrzeuge nicht nachkommen, womit wir immer wieder recht schnell zu dem Ergebnis kommen, dass zur weiteren Vervollständigung unserer Fahrzeugsammlung ein Bus einer bestimmten Bauart nicht fehlen sollte. Daher haben wir uns schon recht frühzeitig dafür entschieden, unserem Wagen 3550 vom Typ D 86 aus der ersten Serienlieferung der SD 202 ein Fahrzeug der letzten SD 202-Lieferserie D92 gegenüberzustellen.

So wurden noch während der Einsatzzeit der D92 in einer ersten Vorauswahl einige Wagen dieser Bauart von uns im Hinblick auf den äußeren Zustand (Lack, Roststellen, Verwerfungen im Blech) ausgewählt und bei Mitfahrten das subjektive Fahrverhalten aus Fahrgastsicht (Achsgeräusche, Schaltverhalten des Getriebes) und der Grad der Sachbeschädigungen im Oberdeck näher in Augenschein genommen.

Als sich auch 3967 als einer der aus unserer Sicht noch am besten erhaltenen Wagen der zwischenzeitlich als DF 92 (Doppeldecker, rollstuhlfahrerfreundlich) bezeichneten Serie herausstellte, stand schnell fest, dass unser Ziel, einen Wagen der letzen Serie aufzubewahren, noch dadurch herausgehoben werden kann, dass der numerisch letzte SD 202 von uns erhalten wird.

Wagen 3967 ist – wie alle Wagen der letzten SD 202-Serie – unter Verwendung eines MAN-Fahrgestells von der Firma ABB Henschel / Waggon Union karossiert und am 29. Dezember 1992 amtlich zugelassen worden.

Der Bus ist bei seiner Indienststellung im Jahr 1992 dem Betriebshof Britz zugewiesen worden. Nach etwas mehr als zehn Einsatzjahren wurde er ab Ende Februar 2003 einer Aufarbeitung unterzogen, deren Schwerpunkt in der Instandsetzung der korrodierten Seitenwandkonstruktion lag. Am 1. Oktober 2003 kehrte der aufgefrischte und nun in die neuen Hausfarben der BVG umlackierte Bus wieder in den Liniendienst zurück.

Mit der in Berlin ab dem 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Feinstaubverordnung war es für Fahrzeuge, die bestimmte Abgasnormen nicht einhalten, nicht mehr zulässig, in der Berliner Innenstadt (so genannte Umweltzone) zu verkehren. Da 3967 – wie alle D 92 – die damals für die Umweltzone noch zulässige Abgasnorm EURO-2 einhält, wurde der Wagen 3967 im Rahmen eines Fahrzeugtausches zum 23. Dezember 2007 von dem außerhalb der Umweltzone gelegenen Betriebshof Britz zum innerhalb der Umweltzone gelegenen Betriebshof Cicerostraße umgesetzt. Mit fortschreitender Indienststellung neuer Doppeldecker vom Typ MAN Lion’s City DD (DL) für den Betriebshof Cicerostraße wurde 3967 zum 28. Juni 2009 zum Betriebshof Müllerstraße abgegeben.

Während der Einsatzzeit bei der BVG trug 3967 von Februar 1993 an eine Bandwerbung für die Sozialstation Triftstraße, die im April 2001 durch eine Totalwerbung für Berliner Kindl-Bier abgelöst wurde. Bereits im November desselben Jahres wurde die Bierwerbung durch eine Totalwerbung für das Internetportal www.Berlin.de ersetzt. Schon zuvor hatte die BVG entschieden, dass bei der Gestaltung von Bussen mit einer Totalwerbung der Frontbereich von der Werbung auszusparen ist, womit diese aus Gründen der gefälligeren Optik bei der Anbringung einer neuen Werbung in die neuen Hausfarben der BVG umlackiert wurde. Als im September 2002 die bisherige Totalwerbung für das Internetportal entfernt worden ist und sich kein neuer Werbeträger für den Bus fand, war als Kuriosum 3967 bis zu seiner Aufarbeitung im Februar 2003 bei einer ansonsten sandgelben Lackierung mit sonnengelber Front im Einsatz.

Nach Abschluss der Aufarbeitung wurde 3967 im Januar 2004 mit der vierten Version einer Bandwerbung für das Schuhhaus Leiser versehen. Bereits nach vier Monaten wurde diese durch die fünfte Version der Werbung ersetzt, mit der 3967 bis zuletzt versehen war. Mit der Indienststellung weiterer DL-Neufahrzeuge konnte auf den Einsatz von SD 202 bei der BVG zunehmend verzichtet werden. Als einer der letzten Busse dieser Bauart wurde 3967 im Rahmen einer kleinen Feierstunde anlässlich des Endes des Einsatzes von SD 202 im BVG-Liniendienst symbolisch der Traditionsbus GmbH Berlin übergeben.

Er ist im Mai 2010 in die ATB-Sammlung übergegangen. 3967 soll langfristig im Auslieferungszustand erhalten bleiben und so das Erscheinungsbild der letzten Doppeldecker, die in sandgelb in den Berliner Linienverkehr gelangten, repräsentieren.

Text: Christian Neuhaus