Wagen 1629

Dieter Gammrath ist Schuld! Hätte er nämlich am 22.03.1969 nicht seine Kamera gezückt, wäre dieses tolle Foto nicht entstanden.
Fischerhüttenstraße, Zehlendorf-Eiche, irgendwann zwischen Juni 1970 bis August 1972. Das Bild hat Heinz Czerwon gemacht.
Die letzte Werbung vor dem unweigerlichen Ende: »Bodenheim« am 10.03.1973.
1629 im sonnigen Juli 1975
Büssing D2U (Wagen 1629)
Bereits ein Jahr vor dem Ende des D2U-Einsatzes bei der BVG war 1629 bereits in Watte gepackt und fristete sein Dasein als Museumsbus neben den älteren Brüdern 700 und 1126.
Büssing D2U (Wagen 1629)
Am 13. Mai 1977 besuchte Bernhard Hoff die Pensionäre in der Museumshalle auf dem Hof Britz.
Endlich auch mal ein Foto von hinten. Links die »rote Möhre« 1606, nach Irrwegen heute wieder in unserem Bestand. Foto: Frank von Riman-Lipinski
Am 02.02.1994 bei Schnee in der Hardenbergstraße fotografiert von Mario Lange.
Am 16.11.2000 und damit im ersten Jahr unseres Einsatzes auf der Linie 218, die damals noch A18 hieß, bannte Mario Lange seinen Bus auf Celluloid.
Räder müssen rollen, wofür auch immer! Deshalb muss ab und zu auch mal eine Wartung sein. Hier z.B. wartet Koll. Fritzsche gerade auf die neuen Kraftstofffilter. So sieht so ein D2U von unten aus! Das wollte uns Mario Lange zeigen, als er dieses Foto am 24.05.2001 anfertigte.
Büssing D2U, Wagen 1629
Stammgast bei unseren Traditionsfahrten ist 1629 natürlich auch, hier bei derjenigen des Jahres 2010. Foto: Tobias Domann

Büssing D2U 64

- ein Lebenslauf -

Als Jüngster der legendären Büssing D2U kam ich am 17. Mai 1965 zur BVG, genauer als numerisch Letzter der vom Berliner Unternehmen Orenstein & Koppel gefertigten 80 Wagen umfassenden Serie D2U 64. Ein ausgereiftes Modell also, sämtliche »Kinderkrankheiten« hatten nämlich meine 929 älteren »Brüder« der seit 1951 vorausgegangenen Serien ausbaden müssen. Damit gehöre ich zur zweitgrößten Serie der Berliner Doppeldecker und ich kann wohl mit einigem Stolz behaupten, dass wir D2U die typischsten Vertreter der (West-) Berliner Nachkriegsdoppeldecker überhaupt waren und bis heute nie wieder eine Baureihe diesen Ruhm erreicht hat. Knapp zwei Jahre, bevor die BVG am 30. April 1978 sämtliche noch verbliebenen Schaffnerwagen in den Ruhestand schickte, wurde ich am 24. Mai 1976 nach 790.330 km Stadtverkehr und lebenslanger Zuordnung zum Betriebshof Zehlendorf abgestellt und gleich am nächsten Tag auch schon polizeilich abgemeldet.

Bis dahin hatte ich nicht nur ungezählte Menschenmassen befördert, sondern mit der Banderole auf meinen Heck- und Seitenwänden auch den Nicht-Fahrgästen etwas zu sagen: Zunächst habe ich vom 18. Mai 1965 bis zum 29. April 1970 für ein Geldinstitut geworben (»Wenn's um Geld geht... Sparkasse« - als wenn es bei der BVG nicht auch ständig um's Geld ginge!). Nach der ersten Groß-Reparatur (GR) am 3. Juni 1970 habe ich mich dann acht Tage später bis zum 11. August 1972 mit Reklame für‘s Europa-Center geschmückt und vom 5. September 1972 bis zum 15. April 1975 war dann Werbung für das Teppichhaus Bodenheim auf mir zu sehen. Seit der zweiten GR am 16. Mai 1975 habe ich die letzten Kilometer in den Ruhestand ganz dezent komplett in BVG-beige hinter mich gebracht.

Aber – die geneigten Leserinnen und Leser ahnen es schon - ich war zu Höherem bestimmt, als den Weg allen alten Eisens zu gehen, wie so viele meiner Brüder es mussten. Da ich ja nun einmal der jüngste D2U war (und bleiben werde), durfte ich stattdessen in meinem letzten Betriebszustand nach Britz in die große BVG-Fahrzeugsammlung, wo schon zwei ältere D2U-Brüder und viele andere Verwandte auf mich warteten.

Viele, viele Jahre dauerte es dann, bis 1989 endlich die Mauer fiel und Stück für Stück wieder zusammen wuchs, »was zusammen gehört«. So wurde schließlich aus der BVG in West- und den BVB in Ost-Berlin wieder die gesamt-Berliner BVG und auch die Fahrzeugsammlungen wurden vereinigt. Dabei meinten die Verantwortlichen, dass es völlig ausreiche, von jedem Bustyp nur ein Exemplar zu erhalten und bei den drei D2U fiel die Entscheidung zugunsten des ersten Wagens von 1951 (Nr. 700). Damit standen mein Bruder 1126 und ich zur Disposition und nach langem Hin und Her konnte uns schließlich 1993 die Traditionsbus-Berlin erwerben. Das war mein Glück! Denn bereits am 16. Mai 1995 wurde ich dann für meinen dritten Lebensabschnitt wieder als Kraftomnibus (KOM) zugelassen, neuerdings standesgemäß mit H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge. Seitdem konnte ich vielen großen und kleinen Busfreunden auf zahlreichen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb Berlins ein lebendiges Stück Verkehrsgeschichte nahe bringen und nicht wenige der etwas Älteren fühlen sich bei mir an Bord zurückversetzt in die Zeit, als sie noch tagtäglich mit meinen D2U-Brüdern zur Arbeit oder zur Schule fuhren.

Kann es für einen rüstigen (mit »ü«, nicht mit »o«!) Doppeldecker-Rentner wie mich etwas Schöneres geben?!?

Text: Günter Schlink