FATB-Info

Ausgabe September 2017

Liebe Autobusfreunde, liebe Leser!

Scheunenfunde können unter Liebhabern historischer Fahrzeuge extreme Freude auslösen! Was aber ist, wenn dann ein D2U-Bus in der Scheune steht?

Nun, die Scheune war eine große Halle, und der Bus war auch nicht gänzlich unbekannt. Dennoch ist der letzte Neuzugang der ATB durchaus als Sensation zu bezeichnen!

Vor gut 40 Jahren, am 16. März 1977, verkaufte die BVG den D2U-Bus 1415 (Bü D2U 60) an einen Privatmann in Wuppertal-Elberfeld. Kurz darauf erschien dieser Bus wieder in Berlin, auf dem Messegelände als Partybus der „Alten Elberfelder Bürgerwehr" W-EC 854. Nur eineinhalb Jahre später, am 2. August 1978, übernahm die GEFA-Finanzierungsbank in Wuppertal den Bus 1415 und setzte ihn in den darauf folgenden Jahren als Beratungsbus mit demselben Kennzeichen ein. Im Jahre 1980 war 1415 dann noch einmal mit dem neuen Besitzer GEFA in Berlin, bei Magirus-Deutz in der Nonnendammallee, zu sehen und danach regelmäßig, beispielsweise auf den Hannover-Industriemessen.

Nach zwei Motorschäden in den neunziger Jahren erfolgte ein weiterer, immenser Umbau des Busses 1415: Bei der Nutzfahrzeugfirma Beilharz in Essen lagen noch zwei generalüberholte Büssing-U11D-Motoren im Keller. Dummerweise sind diese 210 PS starken Maschinen (Büssing-U10-Motor dagegen nur 150 PS) deutlich größer als die U10-Motoren. So erfolgte ein umfangreicher Umbau der Bodenträger, bis der U11D-Motor hineinpasste. Auch das alte Voith-200S-Getriebe flog hinaus, zum Einbau gelangte ein neueres Voith-501-Getriebe. So ausgestattet erreicht 1415 nun eine Geschwindigkeit von gut 100 km/h und kann problemlos mit gut 80 km/h auf den Autobahnen gefahren werden. Im Innenraum ist 1415 komplett als Beratungsbus ausgebaut, mit Theke, Tischen und Teppichen. Im Laufe seines Lebens bei der GEFA ist 1415 mehrfach restauriert worden, sein aktueller Zustand von Auf- und Unterbau ist als hervorragend zu bezeichnen, er ist zweifelsohne der beste noch existierende D2U bisher außerhalb der ATB! 1997 erfolgte ein Austausch dieses Busses bei der GEFA gegen einen moderneren Reisebus. 1415 wurde daraufhin in einer Stahlbaulagerhalle abgestellt und fuhr 20 Jahre lang dann nur noch gelegentlich.

Im Jahr 2019 führten Verhandlungen zwischen der ATB und der GEFA bzw. des Vereins "Stiftung regionale Verkehrsgeschichte Wuppertal (SVW)" dahingehend zum Erfolg, das die ATB den D2U 1415 am 25. Juli 2017 in ihren Bestand übernehmen konnte und dafür im Tausch den Bus 1644 (DB E2H 83), einen der „Spiegelbusse“ (Vergleiche FATB-Info 9/2009) an den Verein SVW abgab. 1644 soll zukünftig als historischer Bus in Wuppertal und Umgebung seine Runden drehen. 1415 wird voraussichtlich seinen Ausbau als Beratungsbus auch in der ATB behalten. Geplant ist, ihn außen wieder in BVG-Gelb RAL 1002 zu lackieren und nach einer TÜV-Vollabnahme der ATB-Busvermietung zuzuführen.

Stand 2.3.2019