Der Werdegang der ATB

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Im Jahr 2014 besteht die Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin (ATB) seit nunmehr 25 Jahren. Der Grundstein wurde durch den Kauf des ersten Autobusses im Jahr 1989 gelegt. Mit Stand 1. Januar 2014 besitzen wir mittlerweile über fünfzig Autobusse, von denen 15 Fahrzeuge in Eigenarbeit hergerichtet worden sind für die Zulassung als Kraftomnibus zur Personenbeförderung. Weitere Fahrzeuge, von denen einige teils in Eigenarbeit restauriert wurden, andere noch umfangreich aufgearbeitet werden müssen, werden als historische Fahrzeuge vorgehalten. Unsere Sammlung umfasst Autobusse ab dem Baujahr 1953, die bis auf drei Wagen allesamt einstmals bei der BVG (West) im Liniendienst standen. Für deren Erhalt, Restauration und Präsentation sorgen neben uns 25 Privatleuten auch die Mitglieder des 1995 gegründeten Fördervereins der (Arbeitsgemeinschaft) Traditionsbus Berlin, abgekürzt FATB. Die Gelder für den Erhalt der Fahrzeuge werden ausschließlich durch uns Fahrzeugeigentümer selbst, den täglichen Einsatz eines unserer Museumsbusse auf der BVG-Linie 218, Sonderfahrten unserer Busse im Gelegenheitsverkehr und unseren Förderverein erbracht, Sponsoren gibt es nicht. Wir präsentieren dem interessierten Publikum einen großen Teil der Autobusse fahrend und nach Möglichkeit im Fahrgasteinsatz. Mit diesem Hintergrund sind wir in den vergangenen Jahren zu einer kompetenten und bekannten Vereinigung für den Erhalt historischer BVG-Autobusse geworden; aus dem »Kindheitstraum« vom eigenen Autobus wurde eine echte Verantwortung für die Sicherung von Sachzeugen der Berliner Verkehrsgeschichte.

Was aber bringt Privatleute dazu, sich eine ganze Flotte von Autobussen zuzulegen und noch dazu einen Großteil ihres Vermögens darin zu investieren?

Der erste Autobus kurz vor der Übernahme am 15. Juli 1989 in Rüdesheim am Rhein
Foto: Frank von Riman-Lipinski

Der »Grundstein« wurde durch den Kauf des ehemaligen BVG-Busses mit der Wagennummer 1534 (Büssing D2U, D2U = Doppeldecker, 2-achsig, mit Unterflurmotor) am 15. Juli 1989 in Rüdesheim am Rhein gelegt. Hier fanden sich drei Privatleute (ein BVG-Autobusfahrer, ein Industriekaufmann und ein Versicherungskaufmann) zusammen und erfüllten sich den Traum vom eigenen Autobus, da sie sich schon lange zuvor als Hobby mit der Materie des Berliner Nahverkehrs befasst hatten. Erste Planungen, den Wagen 1534 zu restaurieren, zeigten recht bald, dass hierfür Ersatzteile beschafft werden mussten. Und so wurde bereits einen Monat später ein weiterer Bus (1382, Büssing D2U 59) aus Rabenau bei Alsfeld gekauft. Mit diesem Autobus gelangte als vierter Besitzer ein Elektrogerätemechaniker in die noch kleine Gruppe. Beide Fahrzeuge wurden auf einem angemieteten Sandplatz in Berlin-Neukölln abgestellt, und die Restaurierung des im Zustand etwas besseren D2U 1382 begann.

Wagen 1382 (rechts) kurz vor der Einstellung der Aufarbeitung im April 1993
Foto: Ralf Putzke

Autobusse vom Typ D2U gab es zu diesem Zeitpunkt bei der BVG bereits viele Jahre lang nicht mehr, vom Nachfolgetyp DE (Doppeldeck-Einmannwagen) dagegen schon noch. Aus der Überlegung heraus, dass ein von der BVG direkt gekaufter DE nicht restauriert und in den Originalzustand zurückversetzt werden muss, wurde noch Ende 1989 der Doppeldeck-Einmannwagen Nummer 2556 von der BVG erworben. Dieser Bus, der bei der BVG als letzter seines Typs vorhanden war, ist bis heute bei uns fahrbereit vorhanden. Während bei diesem Bus als fünfter Besitzer ein Schüler dazukam, waren es beim Kauf des D2U 64 mit der Nummer 1606 in Bad Salzuflen im September 1991 auf einen Schlag gar vier neue Mitglieder, so dass dieser Autobus dann schon neun Personen gehörte. Neben 2556 war mit 1606 nun der zweite fahrbereite Bus vorhanden, der - mit neuem TÜV gekauft - eine Zulassung als Sonderkraftfahrzeug für neun Personen erhielt.

Wagen 2556 bei einer Schilderfahrt am 24. November 1990 am Steglitzer Kreisel
Foto: Ralf Putzke

Eine zwischenzeitliche Suche nach einem Namen für diese Vereinigung endete mit »Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin«, und nach den ersten zaghaften Versuchen einer Öffentlichkeitsarbeit - nämlich dem Ausstellen von Autobussen bei Tagen der offenen Tür der BVG - gab es Überlegungen, eine Rechtsform anzunehmen, um nach außen gemeinschaftlich auftreten zu können. Bei Gründung der (Arbeitsgemeinschaft) Traditionsbus Berlin - Gesellschaft bürgerlichen Rechts - am 1. Oktober 1992 lag die Zahl der Gesellschafter bereits bei elf und die Zahl der Autobusse bei fünf. Einer dieser Wagen war der im Juli 1992 erworbene Büssing DE 72 mit der Nummer 2437. Gekauft auf einem Schrottplatz in Köln wurde er schon - erstmalig bei uns - mit TÜV als Kraftomnibus nach Berlin überführt. Neben diesem Kraftomnibus für 92 Personen stand auch noch der D2U 1606 für Fahrten mit neun Personen zur Verfügung. Mit beiden Autobussen wurden bis Frühjahr 1993 ausgiebig private Fahrten durchgeführt.

1993 darf als das Schlüsseljahr in der Entwicklung der ATB bezeichnet werden. In diesem Jahr begann der Durchbruch zu mehr Anerkennung unserer Arbeit. Das erste große Ereignis war der Einsatz des DE 2437 im Auftrag des Verkehrsbetriebes in Potsdam (ViP) auf der dortigen Ausflugslinie A1 zwischen S-Bhf. Potsdam Stadt und Schloss Sanssouci/Neues Palais durchgehend von April bis Oktober. Vorausgegangen war die Anfrage aus Potsdam, ob wir anlässlich des 1000jährigen Stadtjubiläums in der Lage wären, einen historischen Autobus im Linienbetrieb einsetzen zu können. Für uns war dies nicht nur ein interessanter PR-Vorschlag, sondern auch die Möglichkeit, den DE 2437 einer umfangreichen Aufarbeitung unterziehen zu können. So wurde vor dem Einsatz der gesamte Aufbau dieses Autobusses bei einer in Berlin ansässigen Kfz-Firma überarbeitet und neu lackiert. Am 9. April 1993 begann zum ersten Mal der Einsatz eines unserer Busse im Linienbetrieb. Als Fahrer wurde einer der Gründer der Traditionsbus Berlin (der BVG-Busfahrer!) eigens von der BVG für dieses halbe Jahr freigestellt und - eingestellt als Autobusfahrer beim Verkehrsbetrieb in Potsdam - auf dem eigenen Wagen eingeteilt.

DE 2437 am 9. April 1993 in Potsdam
Foto: Ralf Putzke

Dieser Einsatz auf der bedeutendsten Touristen-Linie in Potsdam brachte uns dem Ziel, dem Publikum Museumsbusse im Fahrgastverkehr vorzuführen, einen entscheidenden Schritt näher. Der Bus wurde von den Fahrgästen sehr gut angenommen, und BVG und ViP sei an dieser Stelle nochmals für die hervorragende Zusammenarbeit gedankt. Im Sommer 1993 stand darüber hinaus die Auflösung bzw. Teilübergabe der Sammlung historischer Fahrzeuge, die die BVG auf dem Betriebshof Britz abgestellt hatte, an das Museum für Verkehr und Technik (heute Deutsches Technikmuseum Berlin, DTMB) bevor. Durch unsere intensiven Bemühungen zur Übernahme der Autobusse, die nicht zur Abgabe an das MVT vorgesehen waren, gelangten am 3. Mai 1993 fünf dieser Berliner Zeitzeugen in unseren Fahrzeugbestand. Hierbei handelte es sich um die Wagen Nr. 237 (Typ Präsident), 1126 und 1629 (Typ D2U) Nr. 1658 (Typ DF) und 2626 (MAN SD 200).

Die Verkaufsentscheidung der BVG ist deshalb besonders hervorzuheben, da sich auch andere Omnibusunternehmen aus Berlin um den Kauf der Fahrzeuge beworben hatten. Im Gegensatz zu den Konzepten der anderen Bieter für diese Fahrzeuge stellten jedoch lediglich wir sicher, dass diese einzigartigen Vertreter des Stadtverkehrs vergangener Jahrzehnte - sie sind bis auf den Präsident allesamt Eigenentwürfe aus dem Hause BVG - dem musealen Zweck erhalten bleiben und bei BVG-Veranstaltungen wieder dem interessierten Publikum gezeigt werden können.

Büssing Präsident (rechts) - Wagen 237 - am 17. September 1993
Foto: Ralf Putzke

Mit dieser Fahrzeugübernahme verfügten wir mit den Nachkriegstypen Büssing D2U, DF, DE, MAN SD und Büssing Präsident bereits über einen beachtlichen Querschnitt der nach dem Zweiten Weltkrieg von der BVG (West) beschafften Autobusse. Bis auf den Wagen 1126 (Büssing D2U 56), der 1973 direkt aus dem Liniendienst in die BVG-Museumssammlung übernommen worden ist, sind alle übrigen Busse zuvor von der BVG am Aufbau restauriert worden. Die Wiederaufarbeitung zu fahrfähigen Fahrzeugen - sie umfasste Arbeiten an den Motoren, Getrieben, Brems- und Luftanlagen - stand uns nun allerdings noch bevor, da alle Busse technisch den Zustand der Außerdienststellung aufwiesen. Erst zwei Jahre später, im Mai 1995, konnten diese auch finanziell sehr aufwendigen Arbeiten abgeschlossen werden. Die Sammlung von Autobussen, die wir bis 1993 aufgebaut hatten, folgte noch dem Ziel, neben den Fahrzeugen der BVG-Sammlung zu existieren. Bis 1992, als sich Gerüchte über eine Auflösung der BVG-Sammlung verdichteten, hatte niemand von uns ernsthaft erwogen, jemals in den Besitz solch edler Fahrzeuge zu gelangen. Stattdessen bedeutete die Übernahme, dass nunmehr einige Fahrzeugtypen doppelt vertreten waren, und sich die weitere Aufarbeitung bei einigen der zuvor erworbenen deshalb nicht mehr lohnte.

Mit Stand vom 1. Juni 1993 verzeichneten wir durch diese Übernahme einen Bestand von 13 Autobussen bei 18 Gesellschaftern, davon zwei BVG-Angestellten. Dies führte in der zweiten Hälfte des Jahres 1993 zu großen Veränderungen im Wagenpark. Der D2U 1606 wurde gegen 1629 getauscht und im Dezember 1993 nach Lauenburg/Elbe verkauft. Die in Neukölln bis Mitte 1993 laufende Rekonstruktion am D2U 1382 wurde gestoppt, der Wagen daraufhin ohne Verwendung außerhalb Berlins abgestellt. Der als Ersatzteilspender ebenfalls in Neukölln stehende D2U 1534 wurde Ende 1993 verschrottet. Somit konnte das Sandplatzgelände in Neukölln aufgegeben werden. Nachdem am 10. Oktober 1993 die Linie A1 in Potsdam eingestellt worden war, kehrte der DE 2437 zu uns zurück, er war während des Linieneinsatzes auf dem Betriebshof Potsdam-Rehbrücke stationiert. Um die Jahreswende 1993/94 erfuhr dieser Wagen dann die zweite große Revision. Während eines längeren Werkstatt-Aufenthaltes wurde der Motor generalüberholt, ein überholtes Getriebe eingebaut und die Bremsanlage erneuert. Mit Abschluss dieser Arbeiten im Frühjahr 1994 bezifferte sich das finanzielle Engagement allein für den Wagen Nr. 2437 auf umgerechnet über 40.000 Euro.

Wagen 415 im unrestaurierten Zustand
Foto: Ralf Putzke

Für das Jahr 1994 ist hinsichtlich der Wagen-Neuerwerbungen die Übernahme des Wagens 415 vom Typ Büssing E2U 64 besonders hervorzuheben. Als einer der insgesamt 189 Wagen umfassenden Serie von Eindeckautobussen der Baujahre 1955 - 1964 ist dieser bis auf den an das Deutsche Technikmuseum überstellten Wagen 554 (E2U 59/60) der letzte überhaupt noch existierende Vertreter dieses Bustyps. Über den Zeitraum von fast 20 Jahren als Campingbus in Norddeutschland eingesetzt, war sein Zustand äußerst restaurierungsbedürftig. Erschien es anfangs kaum mehr möglich, noch Originalteile der Inneneinrichtung für diesen wichtigen Vertreter einer bedeutenden Autobusserie der Nachkriegszeit zu beschaffen, konnten die Restaurierungsarbeiten im Jahre 2000 nach fast zwei Jahren beendet werden.

Mit zunehmender Fahrzeugvielfalt steigerte sich die Öffentlichkeitsarbeit mit umfangreicheren Bemühungen. Auf dem BVG-Betriebshof Zehlendorf z. B. zeigten wir im Sommer 1994 beim Tag der offenen Tür bereits fünf Autobustypen, die von diesem Hof jahrzehntelang eingesetzt worden waren. Die Fahrzeugausstellung umfasste die Typen Büssing Präsident, VÖV E2H, Büssing D2U, DF und DE.

Tag der offenen Tür auf dem Betriebshof Zehlendorf im Sommer 1994
Foto: Frank von Riman-Lipinski

Auf dem Hoffest des BVG-Betriebshofes Indira-Gandhi-Straße im gleichen Jahr wurden schon sechs Autobustypen gezeigt, darunter erstmals auch der E2U 415. Doch das Jahr 1994 bot noch weitere »Highlights« in Sachen Öffentlichkeitsarbeit: Neben dem erneuten Linieneinsatz des DE 2437 zum Tag der offenen Tür des Verkehrsbetriebs Potsdam im Mai, konnte im gleichen Monat erstmals der D2U 1629 für Fahrgastrundfahrten eingesetzt werden. Bei der Eröffnung der Daimler-Benz-Vertretung im Gewerbegebiet von Ludwigsfelde verkehrte 1629 auf einer eigens eingerichteten kostenlosen Ringlinie als besondere Attraktion. Das Ergebnis war überwältigend, die Fahrten waren fast immer voll besetzt. Und nicht zu vergessen ist auch die Präsentation von Fahrzeugen der Typen Präsident, D2U und DE anlässlich des Tages der offenen Tür in der Monumentenhalle des Deutschen Technikmuseums im September 1994. Analog zu den in dieser Halle stehenden, nicht fahrbereiten Autobussen zeigten wir hier Fahrzeuge in verkehrs- und betriebssicher einsetzbarem Zustand.

Aus dem Fahrzeugbestand von 18 Autobussen Anfang 1995 heraus unternahmen wir auch in jenem Jahr viel, um der Öffentlichkeit verschiedene historische Autobusse möglichst fahrend zu präsentieren. Zunächst wiederholte sich 1995 der Einsatz des DE 2437 in Potsdam auf der Sanssouci-Ausflugslinie A1. Erneut für den Zeitraum April bis Oktober wurde der Wagen diesmal von Autobusfahrern der ViP gefahren, die zu diesem Zweck vorher von uns eingewiesen worden waren. Bedingt dadurch, dass 2437 im Sommer 1995 nicht zur Verfügung stand, entschlossen wir uns zum Zulassen eines zweiten Kraftomnibusses. Ausgewählt wurde hierzu der D2U 1629 der am 20. Mai 1995, ebenfalls in Potsdam, erstmals als zugelassener KOM für 71 Personen gezeigt werden konnte.

Wagen 1629 vor dem Brandenburger Tor in Potsdam
Foto: Frank von Riman-Lipinski

Den zu diesem Zeitpunkt größten Einsatz von Autobussen im Fahrgastbetrieb bewältigten wir im September 1995. Zur Eröffnung des Luftwaffenmuseums mit gleichzeitigem Volksfest auf dem Flughafen Gatow konnten insgesamt acht Wagen (der Büssing Präsident, zwei D2U, der DF, zwei DE sowie zwei MAN SD) für Rundfahrten auf dem Flugplatzgelände verwendet werden. Der Einsatz von Autobussen z.B. auf Flughäfen ist deshalb interessant, da hier auch solche Wagen fahrend gezeigt werden, die sonst - aus Kostengründen - nicht zugelassen werden können. Mit diesem Hintergrund absolvierten wir auch 1996 einen Einsatz auf Flughafengelände, nämlich im Mai 1996 den Zubringerverkehr zum Tag der offenen Tür in Tempelhof von den abseits gelegenen Parkplätzen zum Vorfeld.

Die bis dato größte Anerkennung der von uns geleisteten Arbeit erfolgte zum 20. April 2000. An diesem Tag verkehrte - 15 Jahre nach Außerdienststellung dieser Bauart - erstmals ein Autobus der Bauart DE im Auftrag der BVG regelmäßig auf der Linie 218 entlang der Havelchaussee. Nach anfänglicher Skepsis, ob ein Bus dieses Alters den Anforderungen des täglichen Liniensatzes gewachsen sei, konnte hier unser DE 2437 seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Spätestens mit diesem Einsatz wurde aufgrund der erforderlichen Fahrzeugwartung und Fahrerplanung ein hohes Maß an Professionalität erforderlich. Diese konnten wir im Juni des Jahres 2002 unter Beweis stellen, als von uns anlässlich eines in Berlin stattfinden Neurologen-Kongresses sechs Tage lang ein durchgängiger Zubringerverkehr mit Museumsbussen im 15-Minuten-Takt zwischen dem Tagungsort ICC (Internationales Congress-Centrum) und den Übernachtungshotels der Kongressteilnehmer eingerichtet wurde. Anlässlich dieses bisher umfangreichsten Sonderverkehrs waren zu den morgendlichen Spitzenzeiten insgesamt bis zu elf Museumsbusse im Einsatz. Sowohl die Stellung und Unterweisung des Fahr- und Aufsichtspersonals, die Ausarbeitung des Fahrplans (der sowohl Rücksicht auf gesetzliche Vorschriften nehmen als auch den Wünschen des Auftraggebers entsprechen musste) und das Vorhalten des - zum Glück nicht benötigten - Werkstattpersonals wurde dabei zur Zufriedenheit des Veranstalters von uns vorgenommen.

Die ersten umfassenden Instandsetzungen von Fahrzeugen an Karosserie und Unterbau wurden ab 1997/1998 bei Spezialwerkstätten in Auftrag gegeben. Der folgende Einbau der Inneneinrichtung und die Überholung technischer Komponenten erfolgt dann zumeist in Eigenregie. Somit ist eine Bussanierung nicht nur eine kostspielige, sondern auch zeitaufwendige Maßnahme. Eine grundlegende Aufarbeitung, wurde zuerst beispielsweise LVG 70, 1957, 2100 und 415 zuteil, bevor sie als KOM zugelassen werden konnten, und nach einigen Jahren sind trotz pfleglicher Behandlung wieder solche Maßnahmen erforderlich. Damit müssen für den betriebsfähigen Erhalt der Fahrzeugflotte gewisse Mengen an Kapital und Arbeitskraft aufgebracht werden, so dass noch größere Projekte wie die Wagen 1382 und 644 vorübergehend auf Eis gelegt wurden. Der Bestand zugelassener Busse wuchs so in den letzten Jahren auf etwa 15 an.

Seit der Jahrtausendwende hat sich zudem mit der von uns so genannten „Traditionsfahrt“ eine weitere Großveranstaltung etabliert, die regelmäßig Autobus-Enthusiasten aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland nach Berlin zieht. Hierbei wird in Abstimmung und Zusammenarbeit mit der BVG ein Großteil unserer amtlich zugelassenen Kraftomnibusse „auf Strecke“ geschickt, um zusätzlich zu den regulär auf der entsprechenden Linie verkehrenden BVG-Bussen die oftmals überraschten Zufallsfahrgäste zurück in ihre Jugend zu versetzen. Neben dem langen (und nicht zu unterschätzenden!) planerischen Vorlauf erfordert eine derartige Veranstaltung regelmäßig die Mithilfe vieler Freiwilliger.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Anfragen, auf welche Weise unsere Arbeit unterstützt werden kann. Deshalb wurde im Juni 1995 der Förderverein der AG Traditionsbus Berlin e.V. - FATB - gegründet. Hier besteht die Möglichkeit, die Aufarbeitung und den Erhalt unserer Fahrzeuge über ein Monatsentgelt zu fördern, ohne mit den laufenden - viel höheren - Kosten der Autobusse konfrontiert zu werden. Der FATB - Förderverein der (Arbeitsgemeinschaft) Traditionsbus Berlin - zeigt seit seiner Gründung eine kontinuierliche Zunahme der Mitgliederzahl.

Wir sind eine Gesellschaft, die 1989 durch die Privatinitiative junger Leute mit dem Kauf eines alten BVG-Autobusses entstand, deren Konturen und Ziele sich erst in den Jahren danach formten, die in Berlin heute die Verantwortung zum Erhalt der Traditionen im Autobusbereich übernommen hat und die ihren festen Platz neben den anderen Vereinen belegt, die sich um die Bewahrung von historischen Sachzeugen der anderen Berliner Verkehrsmittel, wie S- und U-Bahn, Straßenbahn und Eisenbahn, sorgen. Wir möchten das fortführen, was 1971 durch die Fahrzeugsammlung auf dem Betriebshof Britz von der BVG begonnen wurde. Hier standen bis zur Auflösung im Jahre 1993 Autobusse aus einem Zeitraum von knapp 100 Jahren. Spätestens mit der Übergabe der Vorkriegsomnibusse an das Deutschen Technik-Museum und der Übernahme eines großen Teils der Nachkriegsautobusse durch uns formte sich das bis heute gültige Ziel unserer Fahrzeugsammlung:

Wir möchten die Autobusentwicklung der BVG (West) mit Beginn der ersten Neubauten nach dem Krieg ab 1951 dokumentieren. Jeder Autobustyp, der für die Entwicklung seit 1951 bis heute relevant ist, soll im Original erhalten bleiben. Hierbei verfolgen wir ausdrücklich das Ziel eines fahrfähigen Erhaltes unserer Autobusse und heben uns so vom Deutschen Technik-Museum - auch wenn einige Autobustypen in beiden Sammlungen vorhanden sind - ab. Denn die Wagen des Museums, die zurzeit in der Monumentenhalle in Berlin-Kreuzberg untergestellt sind, können nur als Standmodelle an einem festen Platz gezeigt werden. Die Technik entspricht nicht einem fahrbereiten Zustand. Auch zur Gruppe Autobus im Denkmalpflegeverein-Nahverkehr e. V. besteht ein Unterschied, da hier Autobusse aus der Epoche der BVG (Ost) sowie aus der Vorkriegszeit aufbewahrt werden. Ein fahrfähiger Erhalt setzt einen finanziellen und materiellen Aufwand sowie umfangreiche Ersatzteilhaltung voraus - Ersatzteile, die es überwiegend nur noch durch Zerlegen anderer Autobusse als Ersatzteilspender zu beschaffen gibt. Hieraus folgt die klare zeitliche Abgrenzung mit der Angabe des Jahres 1951. Sämtliche seit 1993 in der Monumentenhalle untergestellten Vorkriegsautobusse können nur noch als Standmodelle aufbewahrt werden, da hierfür so gut wie keine Ersatzteile mehr existieren. So erklärt sich auch die hohe Zahl an Autobussen, die sich - als Ersatzteilspender bezeichnet - zeitweilig in unserem Besitz befanden. Diese sind in der Wagenparkübersicht entsprechend gekennzeichnet.

 

Wagen 644 während der Überführung aus Luxemburg im September 1996
Foto: Ralf Putzke

»Jeder Autobustyp seit 1951«: Dieses ehrgeizige Ziel ist für die Zeit der Teilung nahezu erreicht, denn wir besitzen mittlerweile auch Autobusse, die in der Sammlung des Betriebshofes Britz nicht enthalten waren, wie z.B. ein DE-Wagen der ersten Serie (Wagen DE 1794, Büssing DE 65) oder mit Wagen 644 einen Kässbohrer Kleinbus E2H 63. Auch sind in der Zwischenzeit Exemplare neuerer Fahrzeugserien wie den Doppeldeckertypen D und DN in unseren Fuhrpark gelangt. Von den zahlreichen Niederflur-Bustypen kann hingegen bei weitem nicht von allen Arten ein Fahrzeug bei uns eingestellt werden. Den einzigen noch fehlenden BVG-spezifischen Wagentyp, einen Büssing D3U, gebaut 1952 in einer Anzahl von 39 Fahrzeugen als Dreiachsvariante des Typs D2U, werden wir jedoch nicht mehr beschaffen können, denn hier existiert nur noch ein Wagen (685), der derzeit ebenfalls in der Monumentenhalle untergestellt ist. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt...