Unser Fahrtenprogramm für 2026: hier in der Broschüre (pdf, 4.7 MB).

75 Jahre D2U

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vor 75 Jahren, im Oktober 1951, wurde der neue Doppeldecker für Berlin – der Doppeldecker mit 2 Achsen und Unterflurmotor = D2U – der Presse vorgestellt. Am 25.10.1951 wurde im Kraftfahrzeugbrief bestätigt, dass das Fahrzeug den gesetzlichen Anforderungen entsprach und somit für den Straßenverkehr zugelassen werden konnte.

Aus aktueller Sicht mag dieser Bustyp „alt“ aussehen, wobei er die Bedürfnisse der Fahrgäste und des Verkehrsunternehmens BVG heutzutage in ungeahnter Weise gut erfüllen würde. Denn wer steigt heute noch vorne in den Bus ein? Fast niemand! Hier ist der D2U ideal, weil die Fahrgäste gerne soweit es geht nach hinten „rennen“, um den Bus zu „entern“, aber häufig die Vordertür für den Ausstieg nutzen. Und wenn dann noch ein Wagen ohne Plattformtüren käme, wäre das für die ungeduldigen Fahrgäste umso besser!

Aber zurück ins Jahr 1951. Büssing entwickelt sich zum Stammlieferanten für die BVG in West-Berlin. Es gilt, ein modernes Fahrzeug zu konzipieren, das die Vorkriegswagen ersetzen soll. Der unterflur liegende Motor ist das Markenzeichen von Büssing, und entsprechend wird der neue Bus gestaltet, vermutlich unter Federführung des BVG-Konstruktionsbüros und Ausführung durch Orenstein & Koppel in Berlin-Spandau am Brunsbütteler Damm. Das Ergebnis: mehr Fahrgastraum und somit eine höhere Kapazität sowie deutlich bessere Gewichtsverteilung. Durch eine selbsttragende Bauweise des Unterdecks sowie die ausschließliche Verwendung von Aluminium für das Oberdeck wird Gewicht gespart. Mit der Nummer 500 wird der Prototyp der Öffentlichkeit vorgestellt, bald aber in 700 umgenummert und geht so in den Betrieb. Ein Dreivierteljahr später beginnt die Serienproduktion der D2U 52, und im Juli des Jahres werden die ersten Wagen polizeilich zugelassen. Wer nun denkt, der Prototyp und die ersten Serienlieferungen seien doch fast identisch, der irrt. 700 ist nur 3.998 mm = 4,0 m hoch. Alle weiteren Lieferungen bringen es auf eine Höhe von 4.025 mm. Der Radstand ist beim Prototyp 10 cm länger, die Gesamtlänge beträgt jedoch bei allen gebauten Wagen 10,4 Meter. Natürlich gibt es etliche Unterschiede in der Karosserie zwischen 700 und den folgenden Lieferungen.

Heute steht 700 im Depot des Deutschen Technikmuseums Berlin in der Monumentenhalle, die leider für den Besucherverkehr geschlossen ist. Umgeben von älteren und jüngeren Artgenossen staubt er vor sich hin. Wenn man bedenkt, dass wir im Jahr 2025 das Jubiläum 100 Jahre Doppeldecker gewürdigt haben und die 26 Jahre von 1925 bis 1951 keine lange Zeitspanne sind, dann steht der D2U 1951 als hochmodernes Fahrzeug da. Man sollte ihn als Kind seiner Zeit sehen und die Leistung der Konstrukteure würdigen, die kurz nach dem zweiten Weltkrieg einen derartigen Bus auf die Räder gestellt haben. Ausdruck des gut durchdachten Busses sind 930 D2U-Doppeldecker, die für die BVG bis 1964 gebaut wurden, natürlich mit ständigen Verbesserungen an den Fahrzeugen. Damit liegt der D2U knapp hinter dem SD auf Platz zwei bei den Produktionszahlen für die BVG. Hinzu kommen einige Wagen für Lübeck und Mönchengladbach sowie einer für Aachen. Gebaut wurden diese Autobusse alle in Berlin bei den Firmen Orenstein & Koppel, DWM und Gaubschat.

Für uns muss dieses Jubiläum Ansporn sein, den letztgebauten D2U, Wagen 1629, der in unserem Eigentum steht, aus unserem Hauptdepot in Rathenow nach Berlin zu holen und ihn gelegentlich im Rahmen dieses Jubiläums einzusetzen. Da uns fast keine witterungsgeschützten Abstellplätze in Berlin zur Verfügung stehen, ist dies gerade in der feuchten und kalten Jahreszeit für den langfristigen Erhalt des Busses kontraproduktiv! Aber vielleicht erwartet uns ein goldener Herbst. Somit haben Sie die Chance, 1629 Ende Oktober bis Anfang November auf dem 218er erleben zu können. Extra ankündigen werden wir dies jedoch nicht, damit der Bus mit seinen Fans nicht total überfüllt sein wird.

Stefan Freytag



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zuletzt aktualisiert 29.10.2026