London: Linie 12 umgestellt auf Einmannbetrieb Schaffnerbetrieb live? ... und ob! Und er ist noch täglich zu erleben. Zwar leider nicht in Berlin, aber dank preiswerter Fluggesellschaften schnell und günstig zu erreichen: in London. Da aber auch dort diese Ära langsam zuende geht (Mitte nächsten Jahres wird die letzte Linie auf OPO-Betrieb (one person operation - Einmannbetrieb) umgestellt), fanden wir uns vom 04. bis 06.11.04 zur Bestandaufnahme in der Britischen Metropole ein.
Dieses Datum war nicht zufällig gewählt, denn am Sonnabend, den 06.11.04, stand die Umstellung der Linie 12 auf OPO an, womit am Freitag, den 05.11.04, noch einmal ausgiebig Routemaster gefahren werden konnte. Neben den dort standardmäßig verkehrenden Wagen waren auch museal erhaltene Wagen wie RM6 (in Gold zur 50-Jahr-Feier der Queen 2002), RM9 (noch mit Glühlampenbeleuchtung und ohne Werbung in der ursprünglichen »LondonTransport«-Aufmachung), RM600 und RM613 (beide restauriert) sowie zwei Vertreter der Vorgänger-Baureihe RT (RT3062 und ein RTW) auf »Route 12« unterwegs. Die Trauer war groß, als dann am Sonnabend tatsächlich (wir hatten bis zum Schluss noch auf ein Wunder gewartet) die artics (kurz für articulateds, die unter dem Namen bendi-bus (Biegebus=Gelenkbus) etabliert werden sollen) vom Typ Mercedes-Benz Citaro G in großer Stückzahl nagelneu funkelnd und innen furchtbar neu riechend nunmehr auch auf dem 12er durch die Stadt fuhren....
Sicher, Routemaster sind relativ unkomfortabel gefedert, die alten Motoren rütteln und schütteln im Stand, sie sind langsam, das Ein- und Aussteigen dauert wegen der schmalen Treppe und der einzigen Öffnung an der Heckplattform recht lange. Dafür haben sie aber zwei gewaltige Vorzüge: man kann jederzeit ein- und aussteigen, solange es die Fahrgeschwindigkeit zulässt, und sie haben Charme!
Ich persönlich bin ja (heimlicher) Citaro-Fan, wenn aber derartige moderne Fahrzeuge, die schnell, leise, und komfortabel sind, für die man aber im Fahrzeug kein Ticket mehr kaufen kann, solche »Dinosaurier« wie die Routemaster, die seit fast 50 Jahren im Londoner Stadtverkehr eine große Rolle spielen (bzw. gespielt haben), ersetzen, werde auch ich traurig. Aber so ist leider der Lauf der Zeit, die Verkehrsunternehmen müssen wirtschaftlich denken (denn das waren und sind die alten Routemaster schon lange nicht mehr), die Verkehrsmittel müssen auch für neutrale Fahrgäste attraktiv sein, letzten Endes wollen wir alle auch vom Umweltschutz profitieren. Unzählige Routemaster werden museal erhalten und auch von den jetzt abgestellten und in Zukunft noch zu ersetzenden Exemplaren wird keines den Weg zum Schrottplatz antreten müssen, so viele Interessenten gibt es für sie.
|