MAN SD 84 bei der BVG
(MAN SD 200)

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3405

Technische Daten SD 200

Im Jahr 1984 gelangten mit den Wagen 3322 - 3406 insgesamt 85 vom Berliner Aufbauhersteller Waggon Union karossierte Doppeldecker der Bauart SD 200 in den BVG-Fuhrpark. Gegenüber der Vorserie unterschieden sich diese Busse durch eine farblich leicht veränderte Innenraumgestaltung, wobei die bisher in weiß gehaltenen Deckenplatten und Innenverkleidungen um die Fensterscheiben (Fensterholme innen) nun beige lackiert waren. Auch erwiesen sich die bisher aus Kunststoffwaben bestehenden Deckenplatten als zu zerstörungsanfällig, weshalb diese ab der Bauart SD 84 aus Aluminium gefertigt waren. Für das Fahrpersonal erhöhte sich mit Bussen dieser Bauart der Bedienkomfort, waren doch alle Kippschalter auf dem Armaturenbrett nun von innen beleuchtet, was deren Erkennbarkeit bei Dunkelheit verbesserte. Wer außerdem genauer auf das Fahrgeräusch dieser Busse achtete, bemerkte recht schnell den wesentlich kernigeren Sound der ab dieser Serie verbauten MAN-D2566UH-Motoren (von 1976 bis 1983 MAN D2566MUH).

Aber auch äußerlich gab es einige Detailänderungen gegenüber der Vorserie: Das wohl markanteste Merkmal war die Ausstattung aller Busse mit einer ANNAX (alphanumerisches Nachrichten- und Anzeigesystem mit X-Möglichkeiten) -Anzeige in gelber Schriftfarbe. Zwar verfügten auch Fahrzeuge älterer Baujahre über dieses Anzeigesystem, das Schriftbild war mit Ausnahme der versuchsweise in den Wagen 3233 - 3250 (SD 83) verwendeten gelben Kontrastfarbe jedoch stets in weiß gehalten (1876 - 1910, 1912 - 1946 [SD 82]; 3251 - 3271 [SD 83]).

Ebenfalls in Zusammenhang mit der Fahrzielanzeigetechnik steht die letzte markante Änderung der Busse gegenüber den Vorserien. Ab der Bauart SD 82 waren SD 200 für den Einbau einer Liniennummernanzeige auf der linken Fahrzeugseite vorbereitet worden und verfügten etwa in Höhe der dritten Seitenscheibe am Fahrzeugboden des Oberdecks über einen in den Innenraum ragenden Kasten zur Unterbringung einer Liniennummernanzeige. Die Außenverkleidung war an entsprechender Stelle auch bereits eingeschnitten und mit einer Gummidichtung versehen, die darin eingelassene Glasscheibe jedoch ab Werk überlackiert. Ab dem Baujahr 1984 wurde auf das werkseitige Ausschneiden der Außenbleche verzichtet, wodurch der leere Liniennummernkasten von außen nicht mehr erkennbar war.

Bei Indienststellung wurden die Busse zunächst den Betriebshöfen Cicerostraße (3322 - 3324, 3358 - 3366), Helmholtzstraße (3325 - 3327, 3400 - 3406) Müllerstraße (3328 - 3330, 3386 - 3392), Usedomer Straße (3331 - 3333, 3346 - 3357), Zehlendorf (3334 - 3336, 3393 - 3399), Lichterfelde (3337 - 3339), Spandau (3340 - 3342, 3367 - 3373) und Britz (3343 - 3345, 3374 - 3385) zugewiesen und gelangten ab Juli 1984 in den Linieneinsatz.

Mit dem Wagen 3391 gelangte im April 1990 der erste SD 84 in die für BVG-Doppeldecker übliche Großreparatur, als letzter Wagen verließ 3405 im November 1992 aufgearbeitet die BVG-Werkstatt.

Infolge eines schweren Verkehrsunfalls schied der Wagen 3357 im Februar 1996 als erster SD 84 aus dem BVG-Fuhrpark aus, letztmalig gelangte mit dem vom Betriebshof Müllerstraße eingesetzten Wagen 3332 am 30. Oktober 2002 ein Bus dieser Bauart in den Linienverkehr.

Die Ausmusterung dieser Fahrzeugserie fiel in einen Zeitraum, als es vielfältige Verwendungen für Doppeldeckerbusse gab. So wurden diverse Wagen dieser Bauart ihres Daches entledigt und finden seitdem von Portugal über Spanien bis Dänemark als Stadtrundfahrtbusse Verwendung. Das Schicksal anderer Busse wurde durch Dreharbeiten zu Filmen besiegelt und war dementsprechend spektakulärer: Die Wagen 3375 und 3395 dienten als »Hauptdarsteller« im Kinofilm »Schnee in der Neujahrsnacht«, wobei der Wagen 3375 für die Schlusseinstellung in den Rüdersdorfer Kalkbergen einen Abhang hinunter gefahren wurde; der Wagen 3373 wurde für eine RTL-Action-Serie sogar gesprengt.

Wieder andere Busse wurden an andere Busunternehmen im Bundesgebiet abgegeben und gelangen dort auch heute noch in den Linieneinsatz.

Text: Christian Neuhaus
Stand 16.4.2009

 

SD84

Am 14. April 1999 entstand diese Aufnahme, die die Dreharbeiten zum Film "Schnee in der Neujahrsnacht" dokumentiert.
Während der hier abgebildete und bereits aus dem BVG-Bestand ausgemusterte Wagen 3375 dafür genutzt wurde, den Busfahrer während der Fahrt zu Filmen sowie zum Schluss des Filmes in den Rüdersdorfer Kalkbergen im Wahrsten Sinne des Wortes "über die Klippen zu gehen"…

Foto: C. Neuhaus

SD84

wurde der damals noch im Bestand befindliche Wagen 3395 für die Außenaufnahmen verwendet. Das Bild zeigt den Bus am 15. April 1999 auf dem Gelände der Berliner CCC-Filmstudios in Berlin-Haselhorst.

Foto: C. Neuhaus

SD84

Nicht immer muss die Nachnutzung eines BVG-Busses so spektakulär erfolgen wie beim oben abgebildeten Wagen 3375. Zusammen mit dem Wagen 3363 gelangte der Wagen 3378 nach seiner Ausmusterung zur Firma Behrendt nach Lehnin (Brandenburg), die den Bus noch eine Zeit lang als Schulbus einsetzte.

Foto: C. Neuhaus