Scania DK (Scania Citywide LFDD), Wagen 3094

(Doppeldecker, kurz)

Im Frühjahr 2014 entschied sich die BVG für eine Ausschreibung von neuen, zweiachsigen Doppeldeckern mit unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten:

Das erste Konzept traf auf den Doppeldecker 3094 zu, den Scania entwickeln sollte. Hinter der Ausschreibung stand die Idee, die neuen Wagen auf Linien einsetzen zu können, auf denen DL überdimensioniert sind. Im April 2014 veröffentlichte Scania bereits eine Grafik, die den Bus von außen zeigte und verriet schon einige Details der Ausstattung. Dazu zählten unter anderem:

Am 31.01.2015 wurde dann der Wagen 3094 gemeinsam mit den neuen BVG-Serienfahrzeugen des Typs VDL Citea LLE auf dem Betriebshof Indira-Gandhi-Straße der Presse vorgestellt. Die Wagennummer wurde bewusst gewählt, um sich von den Doppeldeckern des Typs A39, welche die Wagennummern von 3099-3545 belegen, abzuheben.

Bei der Vorstellung, wie auch jetzt tagtäglich im Stadtbild ist es ein ungewohnter Anblick, mal wieder einen „so kurzen“ Doppeldecker zu begutachten, ist man doch derzeit durch die Fahrzeuge vom Typ DL, an „lange Lulatsche“ mit einer Länge von etwa 13,5 Metern gewohnt. Der neue schwedische Riese misst nur eine Länge von 10,94m, bei gleicher Breite und Höhe wie die Dreiachs-Monster. Ähnlich wie bei den Wagen des Typs SD 79 bis SD 81, wurde die Seitenanzeige über der Einstiegstür angebracht. Auffällig neben den bei Neufahrzeugen gängigen weißen Anzeigen, sind die dominanten Astabweiser vor der oberen Frontscheibe und die Innenraumgestaltung mit dem dazugehörigen Konzept. Eine breite Treppe, welche direkt hinter dem Fahrerplatz angeordnet ist, ermöglicht einen Aufstieg in(!) Fahrtrichtung. Dies gab es zuletzt bei Doppeldeckern des Typs DE! An der Treppe ist auch die bereits oben erwähnte Anzeige zur Sitzplatzbelegung angebracht, so dass der Fahrgast beim Betreten des Busses gleich erkennen kann, ob sich das während einer kurvigen Fahrt recht abenteuerliche Hochgehen lohnt. (Kleiner Exkurs: Auch die Idee eine Sitzplatzanzeige war, in etwas veränderter Form, beim Bustyp DF und später beim DE vertreten. Das Prinzip zur Erkennung, wie viele Fahrgäste sich bereits im Oberdeck befinden war jedoch ein anderes. Des Weiteren hatten bei den älteren Modellen auch nur der Schaffner bzw. der Fahrer einen Einblick auf das mit roten Glühlämpchen bestückte Tableau.)

Im Einstiegsbereich wird der Fahrgast auf mehreren Sprachen begrüßt. Der besonders bei Jüngeren oder Senioren beliebte Platz vorn rechts fällt weg, wie bei den bestellten Gelenkzügen des Typs Citywide LFA. Der Durchgang an der Treppe vorbei zur Mitte des Fahrzeugs wirkt etwas eng, jedoch ist kurz nach dem Radkasten des vorderen rechten Rades, sowie nach der Treppe, ein üppiges Platzangebot für Kinderwagen, Rollstühle oder größerer Gruppen geboten. Bei Bedarf, können auf der rechten Seite 2, auf der linken Seite 3 Klappsitze genutzt werden. Über der Mitteltür fällt eine rote LED-Leiste auf, die beim Schließen der Tür (ähnlich wie bei U-/S- und Straßenbahn, allerdings ohne Warnsignal) blinkt.

Positiv und überraschend fällt das farbliche Innenraumkonzept, welches sich in erster Linie durch neue Sitzbezüge und einen Bodenbelag in Parkettoptik auszeichnet. Die graugestreiften Sitzbezüge, werden von gelben, eingestickten Berliner Bären geziert. Aufgrund tiefhängender Deckenverkleidungen im hinteren Bereich des Unterdecks, wird es für Personen über 1,75 m schon recht eng. Um ein Anstoßen beim Hinsetzen zu vermeiden, sind die Ecken durch gelb-schwarzes Klebeband deutlich zu erkennen, sodass der Kopf rechtzeitig eingezogen werden kann. Problematisch im Unterdeck ist auch die Position der Haltestellenanzeige. Diese befindet sich an der linken Fensterseite in Höhe der Treppe und ermöglichen Fahrgästen, die hinter der Mitteltür sitzen, nur einen erschwerten Einblick. Im Oberdeck befindet sich über der Treppe ein dreieckiger Kasten, in dem sich die Lichtschranken zur Fahrgastzählung im Oberdeck verstecken. Diese leiten den aktuellen Wert an die Anzeige für den Durchgangsbereich weiter. Ebenfalls am Kasten montiert sind die großen Bildschirme für die Fahrgastinformation. Ähnlich wie im Unterdeck sind diese für die Fahrgäste auf den vorderen Reihen schlecht zu sehen, was aber bei einer funktionierenden Ansage ein kleineres Übel ist. Um sich alle Umsteigemöglichkeiten doch noch durchzulesen, muss man dann mal seinen Kopf drehen. Da die Türsteuerung über den Türen liegt und dafür Platz benötigt wurde, sind der rechte Platz der ersten Sitzreihe rechts, sowie der rechte Platz der rechten Sitzreihe in der Mitte des Oberdecks etwas höher, was aber den Sitzkomfort nicht beeinflusst. Das bei Vorstellung der Grafik erwähnte Glasdach wurde ebenfalls verwirklicht, ist jedoch nur was für besondere Strecken wie bspw. dem 100er und auch nur der Poleposition der Oberdeckplätze gegönnt. An allen Sitzplätzen im Oberdeck gibt es jedoch die Möglichkeit, sein Handy an den vorhandenen USB-Anschlüssen zu laden.

Einige Umstellungen gibt es auch für den Fahrer. Der Fahrerarbeitsplatz ist ja bereits vom seit Herbst 2014 ausgelieferten Gelenkzug der gleichen Modellfamilie bekannt, jedoch ist mit dem Wagen 3094 seit ca. 50 Jahren erstmalig wieder der Fahrer für das Schließen der Mitteltür bei einem Doppeldecker verantwortlich. Bei den ersten Haltestellen im Probeeinsatz sorgt dies nach dem Fahrerwechsel häufig für etwas längere Standzeiten, da auf das verzögerte automatische Schließen gewartet wird. Auch der Bildschirm für die Innenraumkameras ist nach unten rechts, auf ein kleines Gestell am Armaturenbrett gewandert und ragt ein wenig in die Windschutzscheibe. Wie bei der Pressevorstellung ebenfalls bekanntgegeben, wurde der Wagen auf dem Betriebshof Spandau stationiert.

Am 22.03.2015 gelangte der Wagen auf dem X34 erstmalig in den Fahrgastverkehr. Abgesehen von sporadischen Einsätzen auf die Linien M37, 237,337 und X33 war das Fahrzeug hauptsächlich auf der Strecke zwischen Kaserne Hottengrund und dem allseits bekannten Bahnhof Zoo zu finden. Am 6. Februar 2017 wurde das Fahrzeug zum Betriebshof Indira-Gandhi-Straße umgesetzt und kam bereits am Folgetag auf der Linie 200 zum Einsatz. Fortan soll das Fahrzeug nur von Stammpersonal gefahren werden. Beim Mitfahren fällt sofort die sehr harte Federung auf. Ein digitales Doppelklingeln, welches an den Betrieb englischer Doppeldecker erinnert, ertönt bei Betätigung des Haltewunschknopfes. Bei erhöhtem Fahrgastaufkommen merkt man dann sehr bald, dass die einzelne Treppe nicht ausreicht. Schnell entsteht Gedränge im Mittelteil des Unterdecks.

Ein Sanierungsprogramm für die MAN A39, viele Werkstattaufenthalte und häufige Überfüllung des Wagens machen klar, dass der Wagen 3094 der einzige Scania Doppeldecker und höchstwahrscheinlich auch der letzte BVG Doppeldecker mit nur einer Treppe sein wird.

Interessant ist jedoch der Testbetrieb des Fahrzeuges, denn der Prototyp wurde auf Doppeldeckerlinien eingesetzt, die derzeit auf 13,5m Busse angepasst sind und dementsprechend hohe Fahrgastzahlen hervorrufen. Logisch das dort das Fahrzeug schnell an die Grenzen kommt, wo doch eigentlich ein Einsatz auf Strecken geplant war, wo der Lion’s City DD an seine Grenzen kommt. Die kam jedoch nicht zustande. Vielleicht wäre das Testergebnis dann positiver ausgefallen…

Text: Alex Heller
Stand 07.2017


zuletzt aktualisiert 5.7.2017