Neoplan GN (N 4021 NF)
(Gelenkniederflur-Eindeckbus))

Vertrat man seitens der BVG während der Zeit der politischen Teilung Berlins stets die Meinung, Gelenkbusse wären aufgrund der zu großen Fahrzeugdimensionen für den hiesigen Linieneinsatz ungeeignet, änderte sich dies recht schnell, als man durch den Einsatz von Ikarus-Gelenkbussen auf ausgewählten Linien im Westteil der Stadt eines Besseren belehrt wurde.

Im Jahr 1992 wurden daher insgesamt 73 Gelenkbusse der Hersteller Daimler-Benz (MB GN, Wagennummern 2544 - 2573), MAN (MAN GN, Wagennummern 2519 - 2543) und Neoplan (Wagennummern 2501 - 2518) in Dienst gestellt. Dabei erfolgte diese Aufteilung des Lieferloses auf mehrere Hersteller bewusst, konnten doch so am besten Erfahrungen mit den Fahrzeugtypen der jeweiligen Hersteller gesammelt werden.

Die Auslieferung der Neoplan-Gelenkbusse vom Typ N 4021 NF - die mit einem MAN-Motor und einem Voith-Getriebe versehen waren - an die BVG begann im Juni 1992 mit den Wagen 2501 - 2504 und fand ihren Abschluss mit der Indienststellung des Wagens 2518 im März 1993. Dabei wurden die zuerst ausgelieferten Wagen zum Einsatz auf der Linie 121 dem Betriebshof Müllerstraße zugewiesen. Bereits im Folgemonat gelangten mit den Wagen 2505 - 2507 (Betriebshof Müllerstraße) und 2508 - 2510 (Betriebshof Indira-Gandhi-Straße) weitere Neoplan-Gelenkbusse in den Fahrgastverkehr. Erst im Februar des Folgejahres wurden die Wagen 2511 - 2517 an die BVG übergeben, die diese Busse dem Betriebshof Lichtenberg zuteilte. Diese sieben Neoplan-Busse sind somit die ersten Neufahrzeuge westlicher Produktion, die diesem Betriebshof zugewiesen wurden. Aufgrund zwischenzeitlicher Änderungen bei der Stationierung der bereits in Betrieb befindlichen Fahrzeuge, stellte sich die Verteilung der 18 Neoplan-Gelenkbusse zum Zeitpunkt der Indienststellung des noch ausstehenden Wagen 2518 wie folgt dar: Die Wagen 2501 - 2509 und 2518 waren dem Betriebshof Müllerstraße zugewiesen, die Wagen 2510 - 2517 waren in Lichtenberg stationiert.

Obwohl die bei der BVG als Neo GN 92 bezeichneten Busse mit lediglich 18 Exemplaren für Berliner Verhältnisse eine nur relativ kleine Fahrzeugserie ausmachte, gab es in dieser doch einige bauartbedingte Unterschiede. So war bei den Wagen 2501 - 2510 die Ausstiegtür im Nachläufer unmittelbar hinter dem Gelenk eingelassen, während diese bei den Wagen 2511 - 2518 um die Länge einer Sitzbankreihe weiter nach hinten versetzt war.

Versuchsweise wurde der Wagen 2518 ab Werk mit den in Berlin bis dato unbekannten Schwenkschiebetüren im Nachläufer und der Fahrzeugmitte versehen. Die Störungsanfälligkeit der Türtechnik dieses Busses war übrigens zeitlebens ebenso legendär wie der allen Fahrzeugen dieser Serie anhaftende Ruf der Schwerfälligkeit im Beschleunigungsverhalten....

Aufgrund der Indienststellung weiterer Neufahrzeuge in den Folgejahren konnten die beim Fahrpersonal aufgrund ihrer Schwerfälligkeit und beim Werkstattpersonal aufgrund ihrer Reparaturanfälligkeit unbeliebten Fahrzeuge im Herbst 1998 dem Buspool des Betriebshofes Lichtenberg zugeordnet werden und wurden in dieser Zeit überwiegend an private Subunternehmer zur Erbringung von Schienenersatzverkehrsleistungen vermietet. Als im Frühjahr 2001 aufgrund der Überalterung des Fuhrparks ein vorübergehender Fahrzeugengpass bei der BVG eintrat, wurden die Gelenkbusse wieder dem regulären Linienbetrieb überstellt, womit diese Wagen wieder regelmäßig im Einzugsbereich der Betriebshöfe Lichtenberg, Spandau und später auch Müllerstraße zum Einsatz kamen.

Als erster Bus dieser Serie schied im Herbst 1999 der Wagen 2511 unfallbedingt aus dem Fuhrparkbestand der BVG aus. Der Bus war zu diesem Zeitpunkt an einen BVG-Subunternehmer vermietet, der ihn nach Reparatur des Unfallschadens unter der BVG-Funknummer 8526 in den eigenen Fuhrpark einreihte.
Offenbar als Folge von Unfallschäden wurden die Wagen 2510 und 2516 im Herbst 1999 bzw. Frühjahr 2000 mit den neuen Hausfarben der BVG lackiert.

Mit fortschreitender Indienststellung der im Jahr 2005 neu beschafften 131 Gelenkbusse vom Typ Solaris Urbino 18 konnte auf die weitere Vorhaltung der letzten Neoplan-Gelenkbusse verzichtet werden, weshalb die Wagen 2505 bis 2507 sowie 2516 zum 1. Oktober 2005 abgestellt und ausgemustert worden sind.

Die Abstellung dieser Wagen beendete das nur 76 Fahrzeuge umfassende Kapitel der Neoplan-Linienbusse bei der BVG, das im Jahr 1988 mit der Indienststellung der Wagen 2046 bis 2053 (Neo E 88/N 416) begonnen hatte.

Der numerisch erste Gelenkbus der BVG: Wagen 2501 in Fotopose am S-Bahnhof Köpenick.

Foto: C. Neuhaus

Nach der Ausbesserung von Unfallschäden wurden die Wagen 2510 und 2516 im neuen BVG-Design lackiert.

Foto: C. Neuhaus

Heck mit Sehschlitz...

Foto: C. Neuhaus

Derselbe Bus, hier bereits mit neuem Eigentümer, dem Bus Verkehr Berlin (BVB).
Auffällig die helle Stoßstange vorn.

Foto: C. Neuhaus

Irgendwie merkwürdig, daß gerade die schwerfälligsten Busse auf einer Expresslinie verkehrten. Wagen 2514 am Walther-Schreiber-Platz in Steglitz.

Foto: C. Neuhaus

Wohin mag die Reise gehen?
Wagen 2515 im Schnee...

Foto: C. Neuhaus

Als einziger Bus der Serie war der Wagen 2518 an der zweiten und dritten Tür mit Außenschwenkschiebetüren ausgestattet.

Foto: C. Neuhaus

 

Text: Christian Neuhaus
Stand: 08.03.2007