Neoplan EN (N 4014 NF)
(Eindecker in Niederflurbauweise)

Ende der Achtzigerjahre war es die Firma Neoplan, die mit dem N 4014 NF als erster Omnibushersteller ein durchgehend niederfluriges Fahrzeug im laufenden Programm anbot.

War man seitens der BVG bislang ohnehin mit der Anschaffung von Eindeckern der zweiten VÖV-Generation - Standard-II-Eindecker - sehr zögerlich (obwohl Standard-II-Fahrzeuge bei anderen Betrieben längst etabliert waren, standen im Jahr 1988 mit den Wagen 2000 - 2053 erst 54 Fahrzeuge der Bauart O405 (DB E) und N416 (Neo E) in Diensten der BVG), so fiel der Beginn des Niederflurzeitalters mit der Indienststellung von gerade einmal sieben Fahrzeugen vom Typ N4014 NF (Wagennummern 2054 - 2060) im Frühjahr 1989 erst recht sehr bescheiden aus.

Gleichwohl sollte man jedoch die Innovationsbereitschaft des Verkehrsbetriebes nicht unterschätzen, denn zeitgleich mit den oben erwähnten Fahrzeugen gelangte mit den Wagen 2099 (der erste überhaupt von MAN gefertigte Niederflurbus) und mit dem Wagen 2100 auch ein Fahrzeug des damals für zukunftsweisend erachteten »Metroliners im Karbondesign« (Neoplan N8012), einem Niederflurbus mit Kunststoffkarosserie, in den Fahrzeugbestand.

Alle neuen Fahrzeuge wurden bei Indienststellung dem Betriebshof Cicerostraße zugewiesen, um vornehmlich auf der damaligen Linie 74 (diese ist zwischenzeitlich in mehreren anderen Linien aufgegangen) zwischen Schöneberg, Eythstraße und Charlottenburg, Pulsstraße zu verkehren.

Zunächst war geplant, dem Metroliner 2100 weitere 23 Wagen einer Serienlieferung folgen zu lassen. Tatsächlich folgten dem Probewagen im Frühjahr 1990 lediglich drei weitere Fahrzeuge dieses Typs (Wagennummern 2101 - 2103), die zunächst im regulären Liniendienst, später auf einer damals zwischen den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld eingerichteten Zubringerlinie (Airport-Express) zum Einsatz kamen.

Nicht zuletzt aufgrund schlechter Praxiserfahrungen mit den Metrolinern wurden die Wagen 2101 - 2103 bereits nach zweieinhalbjähriger Einsatzzeit im Herbst 1992 wieder ausgemustert; der Probewagen 2100 war bereits seit dem Herbst 1990 nicht mehr im BVG-Bestand.

Doch zurück zu den Wagen 2054 - 2060: Diese waren teilweise mit einem Hublift ausgestattet und fielen selbst sonst eher uninteressierten Fahrgästen durch diverse ungewöhnliche Ausstattungsmerkmale auf:

  • Durch die durchgehende Niederflurigkeit der Wagen ragte die Abdeckung des Motors links hinten in den Fahrgastraum. Die letzte Sitzreihe war daher nur hälftig ausgeführt und bot zwei Erwachsenen Platz, während der Bereich über der Motorabdeckung mit dickem braunem Filzteppich abgedeckt war und als Ablagefläche genutzt werden konnte.
  • Die bei Eindeckerbussen im Einstiegbereich angebrachte Klappschranke, die bei starken Bremsungen das Stürzen von Fahrgästen gegen die Frontscheibe verhindern soll, war bei den Wagen mit Hublift als Metallstange ausgeführt und mangels alternativ geeigneter Befestigungsmöglichkeit sowohl an der Kassentischhalterung als auch am ersten Türflügel fixiert. Fahrzeuge ohne Hublift waren mit normalen Klappschranken versehen; im Einstiegsbereich befestigte Haltestangen verhinderten hier aber den Zustieg von Rollstuhlfahrern durch die Einstiegstür.
  • Die Ausstiegtür lag im Vergleich zu anderen Bussen sehr weit vorn, so dass der Platz zwischen Ein- und Ausstiegtür im Innenraum des Busses nicht bestuhlt war (für BVG-Busse ungewöhnlich). Rollstühle und Kinderwagen konnten auf dieser Fläche abgestellt werden, ebenso wie auf einer gegenüber der Ausstiegtür vorhandenen Stellplatzfläche.
  • Die Bestuhlung bestand sowohl aus durchgängigen Sitzbänken als auch aus den bereits von den SD202 bekannten Einzelsitzen. Kein BVG-Eindeckertyp sollte jemals wieder so individuell gestaltet sein.
  • Der luftgekühlte Deutz-Motor verlangte eine gute Luftzufuhr, weshalb die Motorklappe aus Riffelgitter mit Metallstreben ausgeführt war. Da auf diesen keine Werbung angebracht werden konnte, blieben alle sieben Wagen Zeit ihres Einsatzlebens bei der BVG ohne Werbung.

Auch nach Indienststellung diverser weiterer Niederflurbusse vom Typ O405 N (MB EN) und MAN NL 202 (MAN EN) in den Folgejahren blieben die sieben Neoplan N4014 NF weiterhin auf dem Betriebshof Cicerostraße stationiert, bis man ab dem Jahr 1995 aufgrund zunehmender Bestrebungen zur Herstellerreinheit des Fuhrparks auf den jeweiligen BVG-Betriebshöfen begann, Neoplan-Linienbusse auf dem Betriebshof Lichtenberg zusammenzuziehen. Die Wagen 2054 - 2060 kamen fortan überwiegend auf den im Bereich Berlin-Schöneweide und Berlin-Köpenick verkehrenden Linien zum Einsatz.

Im April 1996 wurden die Wagen 2054 - 2060 zusammen mit den nur wenige Monate älteren Wagen 2046 - 2053 vom Typ Neoplan N 416 (Neo E) nach nur siebeneinhalb Einsatzjahren abgestellt.

Während die Wagen 2054 und 2059 anschließend unter der Zulassung K-VK 1001 bzw. K-VK 1008 für die Firma KBS in Köln in Dienst standen, gelangten die Wagen 2055, 2057 und 2058 zur Firma Halten in Essen (E-SH 27, E-SH 270 und E-SH 271). Für den Wagen 2060 ist der spätere Verbleib bei der Firma Lökenhoff bekannt (EN-NP 634); der Verbleib des Wagens 2056 ist bislang nicht bekannt geworden.

Im Sommer 1992 wurden mit den Wagen 1001 - 1010 zehn weitere Neoplan-Niederflurbusse vom Typ N4014 NF bei der BVG in Dienst gestellt. Die mit einem MAN-Motor und einem Voith-Getriebe ausgestatteten Fahrzeuge wurden zunächst den Betriebshöfen Cicerostraße (1001 - 1005) und Helmholtzstraße (1006 - 1010) zugewiesen, bis auch diese Wagen im Sommer 1996 auf dem nun als Neoplan-Vertragswerkstatt ausgewiesenen Betriebshof Lichtenberg zusammengezogen wurden.

Nach zwölf Einsatzjahren gelangten die Wagen 1001 - 1010 aufgrund eines Fahrzeugüberhangs in die so genannte Fahrzeugreserve. In dieser wurden in Erwartung eines aus der Rückgabe von Leasingbussen erwarteten Fahrzeugengpasses alle weitestgehend betriebsfähigen, aber nicht mehr benötigten Busse überstellt.

Auch nach Rückgabe aller Leasingbusse im Jahr 2005 gelangten die letzten zehn Neoplan-Eindecker bei der BVG nicht mehr in den Liniendienst, weshalb die Wagen im Sommer 2005 endgültig abgestellt und an den polnischen Betrieb PKM Bytom verkauft worden sind.

Text: Christian Neuhaus
Stand: 15.04.2009

Neoplan EN88

Kurz bevor die Neoplan-Niederflurbusse in Lichtenberg eine neue Heimat erhalten sollten, ist Wagen 2054 im Juli 1995 noch einmal auf einer innerstädtischen Linie im Einsatz.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN88

Im Mai 1996 leistet 2057 Amtshilfe für den gerade nicht stattfindenden U-Bahnverkehr.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN88

Im Oktober 1995 steht der Wagen noch mitten im BVG-Leben, als sich der Fahrer auf die Fahrt zum Flughafen Schönefeld vorbereitet.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN88

Die etwas abenteuerlich anmutende Bestuhlung -bestehend aus den vom SD 202 bekannten Schalensitzen und durchgängigen Rückbänken in der letzten Reihe - wobei die letzte Sitzreihe rechts zu Gunsten des Motorraumes geopfert war - kann ansatzweise in diesem Bild erahnt werden.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN88

Einen Waschbrett-Rücken, wenn es denn so etwas gibt, besaßen die EN 88, um ihrem Deutzmotor genug Kühlluft zu verschaffen.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN92

Am 15. Oktober 1994 fand sich Wagen 1006 zum Fototermin in der Waldsassener Straße in Berlin-Marienfelde ein.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN92

Etwas innerstädtischer war hingegen sein baugleicher "Bruder" 1007 am 7. Juli 1995 tätig.

Foto: C. Neuhaus

Neoplan EN92

Ab dem Sommer 1996 waren die Wagen 1001 bis 1010 vom Betriebshof Lichtenberg aus im Einsatz, der die Busse überwiegend im Raum Berlin-Schöneweide einsetzte. Wagen 1010 wartet am 1. März 2002 darauf, seine Fahrt nach Schönefeld anzutreten.

Foto: C. Neuhaus

zuletzt aktualisiert 27.1.2011 | Ulf Bergmann