Wagen 8016

Den Oudsten B90

Anfang der Neunziger Jahre begannen die Berliner Verkehrsbetriebe, bestimmte Linien an Subunternehmer abzugeben, die deren Bedienung mit eigenen Fahrzeugen und Personal übernahmen. Das Busunternehmen Hartmann aus Lankwitz gewann zunächst im Jahr 1991 eine der Ausschreibungen und konnte im Folgejahr die Übernahme weiterer Leistungen sichern.

Dazu gelangte ab Dezember 1992 eine 24 Wagen umfassende Serie vom Typ B90 des niederländischen Herstellers Den Oudsten in den Fahrzeugpark der Privatfirma. Der Wagen 8016 war im damals üblichen Farbton sandgelb (RAL 1002) lackiert und wurde am 30.12.1992 erstmals amtlich zugelassen. Fortan wurde der Bus mit dem Kennzeichen B-ER 8016 im Südwesten Berlins unter anderem auf den Linien 111, 114, 175, 183, 188 und 275 eingesetzt. Bereits am 3.11.1997 wurde der Bus dem neuen BVG-Farbschema angeglichen und sonnengelb (RAL 1024) lackiert.

In den Jahren 1999 und 2000 erhielt der Eigentümer insgesamt 15 neue MAN-Eindeckerbusse, mit denen begonnen wurde die Altfahrzeuge abzulösen. In Form von sieben Solaris Urbino 12 folgten weitere Neubeschaffungen im Mai 2005, zudem wurde die Linie X83 auf ebenfalls neu beschaffte MAN-Gelenkbusse (Typ A23) umgestellt. Die Den-Oudsten-Wagen wurden daraufhin überwiegend abgestellt, doch 8016 blieb als Reservefahrzeug zugelassen, um vor allem im Schienenersatzverkehr ein Gnadenbrot zu verdienen. Das Funkgerät und den Fahrscheindrucker behielt der Bus bis zuletzt. Die vollständige Neuausschreibung der Subunternehmer-Leistungen im Jahr 2009 führte bei der Omnibusgesellschaft Hartmann zur Beschaffung von 59 Citaros, so dass 8016 nun abgemeldet werden konnte.

Im Sommer 2011 wurde die Entscheidung getroffen sich vom Fahrzeug zu trennen, und die ATB wurde vor die Wahl gestellt, den Bus zu übernehmen oder seiner umgehenden Vernichtung im Rahmen einer Feuerwehrübung den Segen zu erteilen. Der Bus wurde daher erst einmal gesichert und gelangte in unsere Sammlung. Die Entscheidung, ob der Wagen als Exot im ATB-Fuhrpark die erste Generation der Subunternehmer-Busse vertreten wird oder die Sammlung wieder verlässt, wurde im Mai 2015 mit der Abgabe des Wagens nach Berlin-Spandau beantwortet.

Als Fahrgast der ersten Stunde hat Mario Lange noch ein paar Eindrücke zum Bus aufgeschrieben: „Ich musste auf der Linie 114 vom ersten Tag der Privatisierung im Autobusverkehr bei der BVG mit den Büchsen als Fahrgast fahren. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass so ein Plastik-Bus länger als 5 Jahre halten kann, denn schon nach 4 Monaten klapperten die Büchsen wie Konservendosen. Nach fast 20 Jahren und über einer Million Kilometern muss ich wirklich den Hut vor dem Wagen ziehen, dass er solange durchgehalten hat. Als wir im Sommer 2011 in Mahlow bei Hartmann waren um 2273 abzuholen, war ich erstmals seit vielen Jahren wieder in so einem Bus und musste feststellen, dass der Wagen wie am ersten Tag nach Plastik stinkt. Der Kleber, den die Holländer verwendet haben, dünstet immer noch aus, hat aber super gehalten.“

Text: Ulf Bergmann
Stand Mai 2015


zuletzt aktualisiert | 22.2.2012 | Ulf Bergmann