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Wagen
1957 Der
Wagen 1957 entstammt einer Serie von 60 Fahrzeugen der Bauart BS110V-SL,
die zwischen Oktober und Dezember 1971 von der Firma Büssing in Salzgitter
gefertigt wurde und bei der BVG unter der Bezeichnung Bü E2H 71
(Büssing, Eindecker, 2 Achsen, Heckmotor, Baujahr 1971) geführt wurde.
Es dürfte wohl auch bei Büssing nicht häufig vorgekommen sein, dass ein Käufer Neufahrzeuge bestellt und die dazugehörenden Motoren gleich mitbringt. In Berlin angekommen, erhielten die Fahrzeuge noch weitere Nachrüstungen, wie z.B. den Einbau der Klappschranken am Ausstieg, die Ausrüstung mit Betriebsfunk usw. Unser Wagen 1957 wurde daher erst am 10. Januar 1972 zugelassen und dem Betriebshof Helmholtzstraße zugeordnet. Während seiner Einsatzzeit wurde der Bus von Juni 1972 bis zum März 1976 mit einer Bandwerbung für Hausgeräte der Marke »Krups« versehen, ab März 1978 bis zur Ausmusterung war 1957 mit einer Heckwerbung mit wechselnden Motiven für das Einrichtungshaus »Möbel-Kunst« versehen. Im Herbst 1973 wurde der Bus dem Betriebshof Usedomer Straße zugeteilt, von dem aus er im Herbst 1977 zum Betriebshof Cicerostraße gelangte. Die Ausmusterung des Busses erfolgte am 25. Juli 1980. Schon kurze Zeit nach der Abstellung am 25. Juli 1980 wurde der Wagen 1957 in das nördliche Ruhrgebiet verkauft. Leider ließ sich die Spur der diversen Eigentümer zwischen 1980 und 1991 nicht eindeutig klären, da zu dieser Zeit ein Ersatz-KfZ-Brief ausgestellt wurde. Bekannt sind nur Einsätze im Raum Düren und Wesel. Im
Ort Rheinberg, Ortsteil Borth (zwischen Xanten und Duisburg), wurde der
Bus im Sommer 1992 dann erstmals durch uns gesichtet. Gegenüber dem Besitzer
zeigten wir gleich unser großes Interesse am Kauf dieses Busses, da dieser
außer dem Museumswagen 2000 im Deutschen Technikmuseum Berlin das letzte
Exemplar dieser Fahrzeugserie darstellt. Der nächste Anruf der Firma Stolze im Sommer 1993 war nicht viel erfreulicher: Ausgerechnet eine Woche vor Beginn der Sommerferien 1993, zu denen wir den Bus hätten übernehmen können, versagte der Motor mit Kolbenfresser seinen Dienst. Nun lag es an uns, einen passenden Motor zu organisieren. Dazu kauften wir im Oktober 1993 vom Bundesgesundheitsamt in Berlin den dort noch vorhandenen Wagen 2955, ein MAN SL 195 des Baujahres 1973, in denen ebenfalls noch Büssing U10-Motoren eingebaut wurden. Aus diesem Wagen bauten wir den Motor aus und schickten ihn per Spedition zur Werkstatt Scheller, die im Winter 1993 / 1994 diesen Motor in Wagen 1957 einbaute. Als wir im nächsten Anlauf im Mai 1994 dann den kompletten Bus endgültig in Empfang nehmen wollten, stießen wir auf neue Probleme: die Firma Stolze war inzwischen in Konkurs gegangen. Unser Bus stand zwar noch da, aber der KfZ-Brief war unauffindbar. Erst nach langem Suchen und vielen Telefonaten wurde das Dokument bei der Tochter des Besitzers ausfindig gemacht. In seiner alten Heimat angekommen, ging es erst einmal daran, die Substanz des Wagens in Augenschein zu nehmen. Hierbei stellte sich heraus, dass eine über 20-jährige Einsatzzeit nicht spurlos an einem Bus vorübergeht, zumal die Standardbusse aller Hersteller in den ersten Jahren nicht für eine längere Lebensdauer ausgelegt waren. Damals war man noch der Meinung, durch die rationellere Fertigung wäre ein häufigerer Neukauf günstiger. Die tragenden Teile des Unterbaus waren dementsprechend sehr stark von Rost befallen und die Bremsanlage war auch nicht mehr uneingeschränkt nutzbar. Außerdem mussten noch Teile der Inneneinrichtung mit den typischen grünen Polstern wieder in den Originalzustand versetzt werden. Also entschlossen wir uns, mit der kompletten Aufarbeitung vorerst zu warten. Im Frühjahr 1999 erhielten wir von der Firma MANIKA aus Güstrow ein Angebot, das Fahrzeug karosseriemässig und technisch zu überholen. Da diese Firma bereits Erfahrung mit dem Aufbau von Museumsfahrzeugen hat (Gotha-Gelenkstrassenbahn aus Potsdam, Magirus Saturn aus Hamburg), entschlossen wir uns im Mai 1999 auch unseren Bus in deren Obhut zu geben. (Fortsetzung folgt) Text: Michael Müller / Stefan Freytag |