FATB-Info
Ausgabe Dezember 2002

Wir müssen Abschied nehmen

Zum ersten Mal gab es in der ATB einen Todesfall. Unser langjähriges Mitglied Günter Opelt ist am 14. August 2002 nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren für immer von uns gegangen.

Günter war für alle in der ATB ein besonderer Mensch. Als er Ende 1992 auf eigene Initiative den Kontakt zur ATB suchte, wurde er zunächst nur vorsichtig beäugt, war er doch gut dreißig Jahre älter als die anderen ATB-Mitglieder. Doch schon bald hatte Günter in der ATB eine Sonderstellung. Sämtliche Reibereien, Unstimmigkeiten, laute Worte verstummten, wenn sich Günter zum Sachverhalt äußerte. Sein Wort und seine Meinung zählten viel in der ATB und jeder zollte ihm Respekt. Vielleicht war es auch seine Lebenserfahrung, an die wir alle nicht heranreichten oder seine überlegte und besonnene Art, jedenfalls hielt er so manches Mal die Truppe zusammen.

Die Restaurierung des E2U 415 hatte nicht nur den Hintergrund des Notwendigen, standen doch zu deren Beginn auch andere ATB-Busse zur Aufarbeitung bereit. Sie war vielmehr eine Hommage an Günter. Dieser Bus bedeutete ihm viel, wie auch »sein« D2U 1126, denn beide Typen hatte er in seinen BVG-Zeiten immer wieder gefahren.

Wir sind sehr traurig, daß Günter die Fertigstellung von 415 nicht mehr erleben konnte, die bekannten Motorprobleme verhinderten dies.

Günter war kein ATB-Mitglied unter vielen, zu ihm konnten wir aufschauen. Schon deshalb hinterläßt er eine Lücke, die gleichwertig nicht mehr geschlossen werden kann. Unsere Erinnerung an Günter bleibt wach.

 


Liebe Leser der FATB-Info, liebe Autobusfreunde!

Und noch ein Daimler-Benz-Eindecker für die ATB

Am 23. Mai 2002 übernahm die ATB von der Firma Mahler Omnibusbetrieb aus Würzburg-Gerbrunn den Bus 1860 - vermutlich der letzte noch existierende Vertreter der BVG-Baureihe DB E2H 74 (1092 - 1100, 1855 - 1875). Über die Busse der DB-Serien 74 - 85 hatten wir bereits in der FATB-Info 12/00 kurz berichtet. Die Serie DB E2H 74 war die erste von Daimler-Benz-Autobussen nach dem Krieg für die BVG. Auch waren es, abgesehen vom Notkauf der Präsidenten nach dem S-Bahn-Boykott, die ersten Busse für die BVG »von der Stange«, ohne eigene Gestaltungswünsche. Wir erinnern uns, daß die BVG nie zuvor Autobusse kaufte, ohne diese für den Einsatz in Berlin abändern zu lassen. Gerade das Beispiel der Büssing-Eindecker (Serien E2H 71 - 73), bei denen die BVG in fabrikneue Fahrzeuge gebrauchte Büssing-U10-Motoren aus abgestellten D2U-Bussen einbauen ließ, zeigt anschaulich, daß die BVG wohl immer ein besonderer Kunde war.

Die Busse der Serie E2H 74 unterschieden sich in einem Detail von allen folgenden DB-Serien: Sie hatten einen zweiten Tank und eine zweite Tankklappe. Im zweiten Tank führten die Wagen Heizöl für die Zusatzheizung mit. Interessant ist jedoch, daß diese Anlage im Winter, wenn sie gebraucht wurde, gar nicht funktionierte. Denn Heizöl hat bei Temperaturen knapp über Null Grad die unangenehme Eigenschaft zu flocken und so die Kraftstoffilter zu verstopfen. Die Funktion war nur durch teure Zusatzstoffe gewährleistet, was schon bei der nächsten Serie E2H 75 dazu führte, die Zusatzheizung mit Dieselkraftstoff zu betreiben.

Bei den Bussen der Serie E2H 74 ist auch bemerkenswert, daß alle Wagen als Typenabstellung zum 1. Mai 1983 ausgemustert wurden, um anschließend an das OGC (Omnibusgebrauchtwagen-Centrum Frankfurt/Main) abgegeben zu werden. Hiervon ausgenommen waren lediglich die Busse 1097 (dieser war nach Motorbrand im Juni 1980 abgestellt und zwei Monate später auf dem Betriebshof Zehlendorf verschrottet worden) sowie die Busse 1862 und 1864, beide schon am 13. April 1983 abgestellt, 1864 nach Rahmenbruch, er stand anschließend bei Berliner Autohändlern als Büroraum.

Vom OGC sind bisher die folgenden Weiterverkäufe bekannt: 1092, 1871, 1872 Fa. Leo Lautenbach, Hannover; 1095, 1861, 1865 Fa. Theo Zickenhainer, Koblenz; 1098 Fa. Grau Reisen, Homberg; 1856 Fa. Klingenstadt-Reisen, Solingen; 1858 Fa. Eugen-Riedels & Sohn, Maintal-Dörnigheim und 1862 Reisebüro Kopp, Schieder-Schwalenberg. Die Busse 1095 und 1861 gingen 1989 über die Fa. Alga sogar noch an die United Bus Compagnie of Teheran/Iran.

Der ATB-Bus 1860 wurde im Mai 1984 vom OGC an die NVG-Omnibusbetriebsgesellschaft in Würzburg verkauft, um dort, mit dem Kz. WÜ-AK 440, eine erhebliche Anzahl weiterer Jahre als Stadtlinienbus zu fahren. Erst im April 1999 wurde er über MAN-Würzburg nochmals an den Busbetrieb Mahler in Würzburg-Gerbrunn weitergegeben und wiederum fuhr er als Linienbus (WÜ-D 1300). Erst am 14. Mai 2002 wurde er abgestellt und neun Tage später übernahm ihn die ATB.

Angesichts solch beeindruckender Laufleistungen (nochmals 19 Jahre nach der BVG-Abstellung) darf man fragen, weshalb BVG-Busse in jener Zeit nach 12 Jahren (Doppeldecker) und nach 9 Jahren (Eindecker) grundsätzlich abgestellt wurden. Sicherlich brauchte Berlin aufgrund seiner besonderen Lage auch Aufträge für die Wirtschaft, doch wurden die Eindecker eben nicht in Berlin gebaut, sondern aus Westdeutschland gekauft. Die bemerkenswert lange Einsatzzeit von 1860 nach der BVG-Zeit ist kein Einzelfall.

In der ATB ist die Rekonstruktion von 1860 nicht vorgesehen. Die Museumsbusse 1405 und 1986 reichen aus. 1860 wird als »Mädchen für alles«, als Transporter, Havariefahrzeug und eben einfach nur zum »Rumgurken« den E2H 1506 der ATB ersetzen.

Letzte Meldung

In den FATB-Infos 12/99 und 05/02 hatten wir über den ehemaligen ATB-DF-Bus Wagen 1638 berichtet. Die Rundreise dieses Busses geht jetzt weiter. Nach der Hauptwerkstatt in der Uferstraße und den Betriebshöfen Usedomer Straße und Zehlendorf wurde 1638 nun wieder in die Hauptwerkstatt geschleppt. Einer unbestätigten Meldung zufolge soll er für ein künftiges Verkehrsmuseum aufbewahrt werden, welches in ferner Zukunft in BVG-Regie auf dem Straßenbahnbetriebshof Niederschönhausen entstehen soll. Sobald es Neuigkeiten über diesen dritten noch existierenden DF gibt (neben 1651 und 1658), werden wir Sie unterrichten.

Wir würden uns freuen, Sie auf dem nächsten Busabend am 2. Dezember ab 18:00 Uhr im Restaurant »Split-Grill«, Kaiserin-Augusta-Allee 46, begrüßen zu können.

Sollten wir uns dort nicht sehen, wünschen wir Ihnen bereits jetzt ein gesundes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr.