FATB-Info
Ausgabe Juni 2005


»Bequem – aber kein Platz für Gepäck«

Sehr geehrte Leser,

erinnern Sie sich noch an diese Schlagzeile der Berliner Morgenpost vom 31. Oktober 1965? Kleiner Scherz - Wir hatten das auch nicht wirklich erwartet!

Einen Tag zuvor, am 30. Oktober 1965, mittags Punkt 12 Uhr, begann bei der BVG eine neue Ära: die der Doppeldeck-Einmannwagen (DE). Die ersten drei zu diesem Zeitpunkt schon zugelassenen DE-Busse 1750 - 1752 starteten zu ihren ersten Linieneinsätzen, auf der Dreieck-Linie vom Bahnhof Zoo zum Grunewaldturm. Einen Tag später berichtete die Morgenpost über erste Erfahrungen von Fahrern und Fahrgästen. Gelobt wurden die gute Federung, die großen Aussichtsfenster, eine gute Kurvenlage und die Ausrüstung der Busse mit Funksprechanlagen. Skepsis dagegen gab es betreffend den »Umgang der Fahrgäste mit dem etwas komplizierten Mechanismus der Ausstiegstür«, bei dem nämlich erst ein Haltknopf gedrückt werden muß… aber es wurde auch gleich beruhigt: »Ein Öffnen während der Fahrt ist unmöglich«.

Auch den Reportern der Morgenpost war jedoch klar, daß die Einsätze auf der Dreieck-Linie nur ein zaghafter erster Test der BVG für diese Busse war. Sie hielten fest, daß die Busse die eigentliche Bewährungsprobe im Berufsverkehr, wenn der Fahrer nicht nur Einzelfahrscheine verkaufen muß, sondern auch Zeitkarten zu kontrollieren hat, erst noch bestehen müsse.

Diese Bewährungsprobe kam ab 1. Dezember 1965. Nun waren auch die DE-Busse 1753 - 1761 zugelassen und das reichte aus, um als allererste die Linie A20 auf Einmannbetrieb umzustellen.

 

Linie A20 an der Endstelle Tegelort im Dezember 1965

Schon kurz danach, zum 24. Januar 1966, kam das Aus für die Straßenbahnlinien 75 und 76. Die deshalb neu eingerichtete Linie A97 war die zweite mit DE-Bussen betriebene Einmannlinie, hierfür standen nun auch die Busse 1659, 1762 - 1767 zur Verfügung.

Die nächste Umstellung auf Einmannbetrieb erfolgte am 14. März 1966 mit der Linie A34. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die 42 DE-Busse 1659 - 1666, 1705 - 1713 und 1750 - 1774 vorhanden. Weitere Umstellungen wurden dann zum 2. Mai 1966 auf den Linien A5 und dem roten A12E6 (Schnellverkehr) sowie zum 23. Mai 1966 auf der Linie A18 vorgenommen. So breiteten sich die Einmannlinien immer weiter im Stadtgebiet aus.

Als eigentliches Datum des erstmaligen Betriebes einer kompletten Linie mit DE-Autobussen kann man den 1. Dezember 1965 ansehen. An dieses Datum, es ist nun immerhin knapp 40 Jahre her, erinnert die ATB mit einem Linieneinsatz ihrer Autobusse am 1. Oktober 2005 auf der Linie 222, der früheren Linie 20 zwischen Tegelort und Lübars. Sie sollten sich diesen Termin in Ihrem Kalender vormerken, denn es werden wieder bis zu zehn historische Busse zum Einsatz kommen.

Gegenwärtig wird in der ATB weiter an der Rekonstruktion des DE-Busses 1794 gearbeitet. Nachdem dieser Bus bereits in den Bereichen Gerippe und Außenbeblechung aufgearbeitet und fahrfähig ist, wird nun die Innenverkleidung und -einrichtung wieder eingebaut. Hierfür werden auch Teile aus dem Polsterlagerbus 1761 verwendet. Die ATB hat das Ziel, mit dem Bus 1794 auf der Linie 20 eine zweite Premiere stattfinden zu lassen: Der erste Linieneinsatz eines Altbau-DE in Berlin seit der endgültigen Abstellung der letzten Wagen dieser Serien zum 28. November 1980! Wir können noch nicht versprechen, ob 1794 wirklich fertig wird, denn es gibt jede Menge Arbeit für wenig helfende Hände. Aber wir sind guter Dinge. Wer speziell an den Sonnabenden beim Ausbau von 1794 in der Wagenhalle Wupperstraße helfen mag, der melde sich bitte bei Ralf Ziegenhirt unter der Telefonnummer 030 / 60 10 76 70.

Übrigens: 1794 hatte noch geteilte grüne Sitzpolster. Erinnern Sie sich daran auch noch?

 

1242 hat Geburtstag

Der ATB-Eindecker 1242 wird am 5. Mai 2005 30 Jahre alt. Und die ATB hat sich ein Geschenk ausgedacht. Sie schenkt ihm eine Verjüngungskur bei der Firma Manika. Der Bus befindet sich seit Mitte März dort und wird am Aufbau restauriert. Für diese Arbeiten wird auch die Hinterachse ausgebaut.
Nach dieser Aufarbeitung, bei der auch die Bremsanlage überholt werden soll, ist es möglich, 1242 als KOM zuzulassen. Schauen wir mal, ob der Bus auch auf der Linie 20 seine Runden drehen wird.

Der Bus gehörte zu einer Serie von fünf Bussen (1240 - 1244, MAN E2H 74), die versuchsweise eine feuerverzinkte Bodengruppe erhielten und dadurch wesentlich unanfälliger gegen Rost waren.
Zeit seines Lebens bei der BVG war der Bus auf dem Hof Zehlendorf stationiert, und diente nach der Abstellung am 31. Oktober 1985 den Busfahrschülern auf dem Hof Müllerstraße als Fahrschulbastelbus zur Ausbildung, u.a. für Reifenwechsel. Im Oktober 1992 verkaufte die BVG den Bus an die Firma Behrendt-Reisen in Lehnin. Dort wurde er ab 29. Juni 1993 als Linienbus BRB-L 1541 verwendet. Zur ATB gelangte 1242 am 8. Februar 1997.

 

Schlaglichter

Der DE-Bus 2437, der zur Zeit noch eine Werbung für das Jubiläum 75 Jahre BVG trägt, erhält demnächst eine neue Werbung. Anlaß hierfür ist ein weiteres Jubiläum: 100 Jahre Motoromnibus in Berlin.
Aus Anlaß des genannten Jubiläums 100 Jahre Motoromnibus ist für den 4. September 2005 ein Korso mit aktuellen und historischen Bussen in Berlin geplant. Hierfür sollen auch einige der seit 1993 in der Monumentenhalle stehenden Vorkriegsbusse verwendet werden.
Darüber hinaus ist ein Shuttleverkehr zwischen der Monumentenhalle und dem BVG-Betriebshof Cicerostraße vorgesehen, an dem auch die ATB beteiligt sein wird.

Anfang April wurde das abgenommene Dach samt Schilderkasten des Setra-S6-Busses 644 gesandstrahlt. Ursprüngliche Planungen, dieses Dach auf das kürzlich aus Lübeck übernommene S6-Gerippe aufzusetzen, müssen wohl verworfen werden, da erst nach dem Sandstrahlen das ganze Ausmaß der Durchrostungen an den tragenden Streben dieses Daches ersichtlich wird. So bleibt das Gerippe des Lübecker S6 ganz und es wird lediglich die gesamte Dachbeblechung samt Schilderkasten umgesetzt. Teilweise werden die Bleche noch repariert, aber ein Nachbau soll möglichst umgangen werden, da es sehr schwierig ist, die Dachrundungen nachzuformen.

Von 644 existiert nun nur noch die Bodengruppe mit der restlichen Technik, der Lenkung und den Achsen. Nach Entnahme dieser Teile wird der Rest von 644 verschrottet.